Das kirchliche Leben in Oberösterreich muss neu gestaltet werden. In den Dekanaten der Diözese sollen die Leitlinien dafür besprochen werden.
Seit zehn Jahren befindet sich die Diözese Linz in einem Umbruchprozess. Die personellen und die finanziellen Rahmenbedingungen machen ein neues Nachdenken darüber notwendig. So heißt es in einem Entwurf für die „Pastoralen Leitlinien 2001“. Beim der Vollversammlung des Pastoralrates am 10. und 11. November haben die Delegierten dafür grünes Licht gegeben. Sie werden diese Leitlinien in den Dekanatsräten zur Sprache bringen. Im Herbst kommenden Jahres sollen dann die daraus folgenden Entscheidungen getroffen werden.Die Pfarren haben im neuen Positionspapier weiterhin hohen Stellenwert. Gleichzeitig und gleich wichtig werden aber auch andere Formen kirchlicher Gemeinschaft gesehen. „Die Diözese fördert eine breite Vielfalt von Kontakt- und Begegnungsmöglichkeiten, sie nutzt alle Möglichkeiten der modernen Gesellschaft, um Zeugnis von ihrem Glauben zu geben“, heißt es in den Leitlinien.
Kirche wird zum Netz
Vor Augen hat der Entwurf der Leitlinien „ein pastorales und soziales Netzwerk, in dem Pfarren, spezielle pastorale Initiativen und Einrichtungen sowie kirchliche Bewegungen gleichberechtigte Zentren bilden“.Neben den Pfarrgemeinden baut der Entwurf stark auf die Bildungseinrichtungen, den Religionsunterricht, ebenso aber auch auf die Anstrengungen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit der Kirche. Bildungshäuser und Bildungszentren sollen offene Begegnungsmöglichkeiten fördern. Ein vielfältiges Angebot an geistlicher Begleitung soll den Menschen in verschiedenen Lebenssituationen helfen. Ein deutlicher Akzent liegt bei der Caritas und im übrigen sozialen Engagement der Kirche.„Offenes Gespräch“ und „soziale Sensibilität“ sollen den Weg der Kirche Oberösterreichs kennzeichnen.
Dank für Ehrenamtliche
Auch distanzierte Menschen will man künftig verstärkt ansprechen. Ehrenamtlicher Einsatz wird als eine tragende Säule der Kirche noch deutlicher wahrgenommen.Dem Ehrenamt galt ein Hauptaugenmerk bei der jüngsten Pastoralratssitzung. Den rund 55.000 ehrenamtlich in den Pfarren Tätigen dankte der Pastoralrat ausdrücklich in einer Erklärung. Ohne ehrenamtliches Engagement wäre Kirche nicht denkbar, heißt es darin. Ihnen müsse auch Kompetenz bei Entscheidungen zugetraut werden. Für ihren Einsatz brauchten sie Aufgabenklarheit. Wo sie für ihre Tätigkeit Geld einsetzen müssen, sollen die Spesen auch erstattet werden, für Weiterbildung sollten sie finanzielle Hilfe erhalten. Insgesamt soll der Einsatz von Ehrenamtlichen noch besser anerkannt werden.
Zur Sache:
Die Katholikenzahl in der Diözese Linz wird nach jetzigen Berechungen in den kommenden zehn Jahren um etwa 50.000 zurückgehen. Es dürfte 2010 rund 30.000 Kinder weniger geben.
Die Zahl der Weltpriester unter 75 Jahren wird bis 2010 von derzeit 264 auf ca. 194 sinken. Bei den Ordenspriestern wird die Entwicklung auf Grund einer günstigeren Altersstruktur besser ausfallen. Bis zum Jahr 2005 dürfte deren Zahl nur geringfügig sinken.
Die Zahl der Pastoralassistenten/innen soll laut Dienstpostenplan von derzeit 106 auf 130 im Jahr 2010 steigen. Allerdings melden sich heute weniger Frauen und Männer für diesen Beruf, als benötigt werden.