Vor zehn Wochen startete das Projekt Sozialwort: Mitmachen lohnt sich
Ausgabe: 2000/47, Sozialwort
21.11.2000
- Hans Baumgartner
Vor zehn Wochen ging das Sozialwort der christlichen Kirchen an den Start. „Es zahlt sich aus, mitzumachen“, sagt Elisabeth Wallner.
„Als wir vom Pfarrer die Unterlagen für das ,Projekt Sozialwort‘ erhielten, hatte im Fachausschuss Caritas zunächst niemand Zeit, den Fragebogen gemeinsam zu beantworten“, erinnert sich Elisabeth Wallner (Linz/Christkönig). „Mich hat aber dann doch sehr beeindruckt, dass sich die christlichen Kirchen gemeinsam den sozialen Herausforderungen stellen und dabei auch ihre eigene Arbeit überprüfen wollen.“ Sie habe sich daraufhin bemüht, einige Leute aus dem Fachausschuss zusammenzutrommeln. Dabei machte sie die Erfahrung, dass fast niemand absagte, den sie persönlich angesprochen hat.
Mehr Interesse der Pfarre
„Bei der Beantwortung des Erhebungsbogens war es geradezu spannend“, so Elisabeth Wallner, „wie aus den vielen Mosaiksteinen, die wir entlang der Fragen zusammengetragen haben, ein Gesamtbild unserer Arbeit und der sozialen Probleme entstanden ist. In dieser Zusammenschau wurde uns deutlich, was alles an sozialen Aktivitäten in unserer Pfarre geschieht. Und obwohl uns klar ist, wie viel an versteckter Not wir gar nicht wahrnehmen und wie begrenzt unsere Möglichkeiten sind, war es doch sehr ermutigend, als am Ende unser ältestes Gruppenmitglied sagte, er gehe mit einem guten Gefühl heim.“
Das Sozialwort war auch der Anstoß, dass der Pfarrgemeinderat seinen Vorsatz, sich intensiver mit der Caritasarbeit und den sozialen Problemen in der Gemeinde zu befassen, wahr machte. „Ausgehend von unserer Stellungnahme zum Fragebogen entwickelte sich ein sehr intensives Gespräch. Viele Pfarrgemeinderäte waren sich gar nicht bewusst, in welchen Gesichtern die Not der Menschen uns heute begegnet. Das löste Betroffenheit aus, aber auch das Bewusstsein, dass das soziale Engagement Auftrag der ganzen Gemeinde ist und nicht nur eines Fachausschusses.“ Ein Ergebnis des Gespräches war, dass der Pfarrgemeinderat beschloss, die konkreten Erfahrungen aus der Caritasarbeit stärker in die Liturgie einzubauen. Zudem sieht sich der Pfarrgemeinderat mehr als bisher für die Aufbringung der Mittel mitverantwortlich. Am Elisabeth-Sonntag wurde das zum ersten Mal, auch durch die Schilderung konkreter Notfälle, umgesetzt. „Ich wurde auch von anderen Gruppen angesprochen, über unsere Arbeit zu berichten.“ Elisabeth Wallner freut sich über die neue Hellhörigkeit armen, einsamen und kanken Menschen gegenüber, denn „so wie der Christ lebt, so wird die Bibel heute gelesen.“
Not verändert sich
Interessant für die Sozialwort-Gruppe war auch, festzustellen, wie sich materielle Armut und menschliche Not verändert haben. „Statt der kinderreichen Familien sind es heute vor allem Alleinerziehende und eine wachsende Zahl von Menschen aus allen Berufsschichten, von denen man nie annehmen würde, dass sie vor dem Absturz in die Armut (Delogierungen etc.) stehen. Dazu kommen viele alte Menschen, die vor allem menschliche Zuwendung benötigen.“ Ein besonderes Problem sieht die Sozialwort-Gruppe im mangelnden Verständnis, das in einer reichen Gesellschaft Menschen in Not und jenen, die helfen, oft entgegengebracht wird. Immer wieder sei zu hören, die sind doch „selber schuld“. Eine andere Schwierigkeit baut die Bürokratie auf: „Weil die Krankenhäuser sehr auf den Datenschutz bedacht sind, erfahren wir oft nicht, wer aus unserer Pfarre im Spital ist. So warten viele vergeblich, obwohl wir einen gut organisierten Besuchsdienst hätten.
Sozialwort:
Vor zehn Wochen haben die 14 Mitgliedskirchen des Ökumenischen Rates mit einer Erhebungsphase das Projekt Sozialwort gestartet. Sozialausschüssse, Gruppen und Initiativen, kirchliche Organisationen und Einrichtungen wurden eingeladen, an Hand eines Fragebogens über ihre Arbeit und Motivation, über Schwierigkeiten und Forderungen an Kirche und Politik zu berichten. Hört man sich in Diözesen und Organisationen um, so ist bisher die Bereitschaft, beim Projekt Sozialwort mitzumachen, nicht gerade überwältigend. Für manche ist der lange Fragebogen eine Hürde, sich zu beteiligen, ist immer wieder zu hören. „Wir weisen die Leute bei Anfragen darauf hin, dass sie sich nur auf jene Fragen konzentrieren sollen, die sie betreffen“, sagen Edeltraud Artner-Papelitzky und Helmut Maringele, die in Linz und Tirol für das Sozialwort zuständig sind. Beide engagieren sich auch in persönlichen Gesprächen, Pfarren und Organisationen zum Mittun zu motivieren Als Hauptproblem wird in allen Diözesen der Rückzug der Engagierten genannt. „Nach ihren enttäuschenden Erfahrungen mit dem ,Dialog‘ wollen viele bei solchen Projekten nicht mehr mittun“, bringt Herbert Beiglböck aus Graz die Stimmung auf den Punkt. Gerade das aber wollen die Sozialwort-Verantwortlichen nicht: ein Papier für die Schublade.
Machen Sie mit und fordern Sie den Erhebungsbogen bei Ihrer Kirchenzeitung an:Kirchenzeitung der Diözese Linz, Kapuzinerstraße 84, 4020 Linz; Fax: 0732/76 10-39 39; E-Mail: kirchenzeitung.ooe@dioezese-linz.at
Umfassende Informationen zum Sozialwort gibt es: KSÖ, Schottenring 35, 1010 Wien, und auf der Hompage: www.sozialwort.at