Über Homosexualität wird nicht mehr zu schweigen sein, ist der Moraltheologe Dr. Hans Rotter überzeugt. Die Pfarren sollen das Gespräch mit Homosexueller suchen.
„Es geht nicht darum, ob uns eine Gruppe von Menschen aus der Kirche davonläuft, ob wir modern sind oder nicht, sondern ob wir ein schweres Unrecht weiter begehen, das die Kirche oft begangen hat gegenüber Homosexuellen, und ob sie sich zu wenig für sie eingesetzt hat.“ Der Innsbrucker Moraltheologe Dr. Hans Rotter formuliert so, worum es bei der Neuorientierung des Umgangs der Kirche mit dem Thema Homosexualität gehen sollte. Vor der Vollversammlung des Priesterrates der Diözese Linz gab er Impulse, wie Pfarren diesem Anliegen gerecht werden könnten. Man soll sich nicht scheuen, auf die Thematik der Homosexualität in den Pfarren zu sprechen zu kommen, etwa in der Predigt oder in den Fürbitten beim Gottesdienst. „Wir dürfen uns nicht durch jede Aufregung dazu bringen lassen, dass wir den Anlass für diese Aufregung in aller Zukunft vermeiden“, ermutigte Rotter. Besondere Zuwendung sollten Seelsorger den Eltern homosexueller Menschen entgegenbringen. „Man soll ihnen helfen, rein menschlich das annehmen zu können, dass der Sohn oder die Tochter homosexuell ist.“ Es gelte, betont Rotter, „positive Einstellung und Verständnis zu zeigen und dafür auch zu werben“. Konkret bedeute dies: Man muss mit Homosexuellen das Gespräch suchen und sie gegen Vorurteile und verächtliches Reden verteidigen. Das Erste, was ein Mensch braucht, ist anerkannt und geliebt zu werden, meint Rotter. Das Land Oberösterreich hat einen Schritt dazu gesetzt. Am 8. November hat man sich für den verfassungsrechtlichen Diskriminierungsschutz Homosexueller entschieden.