Maria Hauser schreibt für ein Klima der Menschlichkeit und Akzeptanz
Ausgabe: 2000/47, Maria Hauser, Solidaritätspreisträgerin, Aids, Homosexuelle,
28.11.2000
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Die Schriftstellerin Maria Hauser ist Solidaritätspreisträgerin der Kirchenzeitung: Ihre Bücher sind einfühlsame Begegnungen mit Menschen, die anders sind.
„Mit diesem Leserbrief hat alles begonnen“. – Maria Hauser zeigt auf den kurzen Text, den sie im April 1990 an die Kirchenzeitung geschickt hat. Der Brief war eine Erwiderung auf eine Welle der Empörung, die ein Interview eines Homosexuellen ausgelöst hatte. Hausers Argumentation: „Gott wirft keinen Vogel aus dem Nest, aber wir“. Der Leserbrief ist auf überwältigendes Echo gestoßen: Nicht die Verwünschungen sind ihr in Erinnerung geblieben, sondern der Stapel an Dankbriefen und die Besuche von homosexuellen Menschen aus ganz Österreich.
Platz im Himmel?
Schließlich gebar die inzwischen pensionierte Kindergärtnerin aus Bad Leonfelden die Idee, ein Buch zu schreiben. Thema sollten Lebensgeschichten von schwulen Männern und lesbischen Frauen sein. „Ich war beeindruckt, wieviele homosexuelle Menschen mir ihr Leben anvertrauten“, so Hauser. In der Edition Sandkorn kam 1993 „Im Himmel kein Platz?“ heraus . Das Buch gilt inzwischen als Klassiker – wohl auch wegen der Aufrichtigkeit der Autorin: In der Einleitung „outete“ sie ihren Sohn – natürlich in Absprache mit ihm – als homosexuell. Das Buch wirbt um einen partnerschaftlichen Umgang mit Schwulen und Lesben. Wenn es um den Einsatz für Menschen geht, die benachteiligt sind, wird die sensible und freundliche Frau kompromisslos: „Man muss den Menschen etwas zumuten und darf wichtige Themen nicht auf die lange Bank schieben“. Dass Zumutung zu einem guten Ergebnis führt, zeigt sich für Hauser im offenen Umgang der Bewohner von Bad Leonfelden mit dem Thema Homosexualität: „Die Menschen waren und sind bereit, sich damit auseinanderzusetzen“. Auch mit ihrem jüngsten Buch „Alles Blut ist rot. Lebensbilder HIV-positiver Menschen“. „So manche Einsicht in ein Leben mit Aids hat mir den Nachtschlaf genommen“, erzählt Hauser über den oft schmerzhaften Prozess der Entstehung des Buches.
Die Bücher im Gespräch „weiterschreiben“
„Alles Blut ist rot“ liegt der Autorin besonders am Herzen. Im gesamten deutschen Sprachraum ist sie zu Lesungen eingeladen. Die Berührungsängste mit Aidskranken sind groß, ebenso die Angst vor sozialer Ausgrenzung. Wie mit dem Buch „Im Himmel kein Platz?“ ist sie auch mit „Alles Blut ist rot“ zur Gesprächspartnerin für viele Menschen geworden: Betroffene und Angehörige. Zur „ganzen“ Maria Hauser gehören auch ihre Bücher, die Leben und Lebensgefühl in der Zwischen- und Nachkriegszeit zum Thema haben. Soeben hat sie einen Roman (erscheint 2001) abgeschlossen, der die Geschichte des Mädchens Valerie erzählt. Die berührenden Illustrationen kommen von ihrem Sohn.
Hinweis: Maria Hauser liest am 4. Dezember um 19.30 Uhr im Pfarrheim St. Georgen/G. aus „Alles Blut ist rot“.