Geht es nach der Fülle der Spendenaufrufe, die derzeit ins Haus flattern, dann ist der heimische Spendenmarkt heiß umkämpft. So schlecht scheint der Wettbewerb aber gar nicht zu sein. In vier Jahren haben sich die Spenden mehr als verdoppelt. Es ist legitim, dass damit auch die Frage „Was wird mit meinem Geld getan?“ immer lauter gestellt wird. Schon bevor der Boom ausgebrochen ist, Hilfsbereitschaft mit einer Geldspende einzulösen, waren es in erster Linie kirchliche „Dritte Welt“-Hilfswerke, die sich zu Transparenz selbst verpflichtet, und die Gütesiegel-Diskussion in Gang gesetzt haben. Dass nun die Spendenriesen dieses für sich nicht akzeptieren wollen, ist befremdend. Ihr Ruf nach einem „humanitären Gütesiegel“ klingt wie eine Flucht, um nicht mit allen im Boot sitzen zu müssen. Vor allem auf dem Hintergrund, dass schon für das neue Gütesiegel jahrelang verhandelt wurde.