Immer mehr Pfarren beschäftigen sich mit Jugendarbeit
Ausgabe: 2000/50, Jugend, Jugendarbeit,
12.12.2000
- Judith Moser
Die Katholische Jugend der Diözese Linz hat ein neues Leitbild. Ein Anlass, um zu fragen, wie es um die Jugend in den Pfarren beschaffen ist.
Jugendarbeit wird in den Pfarren immer öfter groß geschrieben. Nicht, weil so viele Jugendliche in der Kirche zu sehen sind, sondern, weil manchmal das Gegenteil der Fall ist. Es gibt auch Pfarren, die dieses Problem nicht kennen und welche, die dafür bereits eine Lösung gefunden haben. „Natürlich gibt es nach wie vor Jugendgruppen in den Pfarren“, sagt Bettina Ausserhuber. Sie arbeitet hauptberuflich bei der Kath. Jugend OÖ im Forum Pfarre/Gemeinde und ist für die Anliegen von „Jugend und Pfarrgemeinderat“ zuständig. „Es gibt auch Pfarren, die offene Jugendräume anbieten, aber ich könnte nicht sagen, dass der Trend eher in diese Richtung geht“, berichtet die Jugendarbeiterin. „Meistens bildet sich innerhalb eines Jugendtreffs eine Gruppe, oder eine bestehende Gruppe betreut einen eigenen Raum.“
Eigene Räume
Inzwischen bedenken viele Pfarren etwa beim Um- oder Neubau des Pfarrzentrums, dass Jugendliche eigene Räume brauchen. „Es muss aber jemanden geben, der die Initiative dafür ergreift“, erzählt Ausserhuber.In vielen Pfarren gibt es eine aktive Jungschar mit mehreren Gruppen und die Pfarrmitglieder können nicht verstehen, warum es nicht auch eine ähnlich organisierte Jugendgruppe gibt.
Von der Jungschar weg
Das Problem sieht Bettina Ausserhuber in der Zeit des Übergangs: „Oft interessiert die 12-, 13-Jährigen die Gruppenstunde nicht mehr. Auch für die Leiterinnen und Leiter der Gruppe ist es schwer, sechs Jahre durchzuhalten.“ Wenn sich die Gruppe dann auflöst, sei es sehr schwierig, sie für Jugend-Gruppenstunden zu begeistern.Für Personen, die Gruppenstunden gestalten wollen und nicht wissen, wie sie es anstellen sollen Jugendliche dafür zu interessieren, bietet die Kath. Jugend Gruppenleiterschulungen an. Meistens sind es junge Erwachsene, die dabei mitmachen.
Jugend als Thema
Wenn es dem ganzen Pfarrgemeinderat ein Anliegen ist, die Jugend in den Vordergrund ihrer Arbeit zu stellen, gibt es auch die Möglichkeit, eine Pfarrgemeinderats-Klausur zum Thema zu gestalten. „Zuerst stehen dabei die Jugendlichen allgemein im Mittelpunkt“, erzählt Bettina Ausserhuber. „Da geht’s darum, wie Jugendliche sind und was sie brauchen. Dann wird erarbeitet, was man in der Pfarre tun kann, damit sie mehr in den Gottesdienst kommen, oder damit sich wieder eine Gruppe bildet.“
Wenig ansprechend
Der Trend geht allerdings tatsächlich in eine andere Richtung. In der Oö. Jugendstudie 2000 wurden die Jugendlichen auch danach gefragt, was ihnen besonders wichtig ist. Für neun Prozent gehört Glaube und Religion dazu. Die Shell-Jugendstudie 2000 aus Deutschland stellt eine immer größere „Entkirchlichung“ fest. Bettina Ausserhuber meint dazu, dass sich Jugendliche in den Gottesdiensten manchmal nicht angesprochen fühlen. „Das fängt an bei den Liedern, oder die Sprache der Predigt ist so kompliziert, dass sich auch Erwachsene schwer tun, sie zu verstehen. Viele Jugendliche steigen dabei aus.“Wichtig sei Bewusstseinsbildung für die Bedürfnisse der Jugendlichen. „Viele haben ein Idealbild, was sie den Jungen vermitteln wollen. „ Wichtig sei aber, Jugendliche so zu lassen, wie sie sind und sie mit ihren Eigenheiten einzubeziehen. Das wollen aber viele Pfarren nicht haben, etwa bei den Sonntags-Gottesdiensten. In manchen Pfarren gibt es regelmäßig Jugend-Gottesdienste, die aber für die ganze Gemeinde offen sind“, erzählt Ausserhuber von einer Lösung. Was für ihre Bedürfnisse passt, muss aber jede Pfarre für sich erarbeiten.