Die Initiative Welser gegen Faschismus will das Bewusstsein fördern
Ausgabe: 2000/50, Faschismus, Welser gegen Faschismus,
12.12.2000
- Judith Moser
Die Initiative Welser gegen Faschismus will durch viele kleine und große Schritte Toleranz und friedliches Miteinander fördern. Sie hat dafür den Solidaritätspreis 2000 erhalten.
Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Judenfeindlichkeit begegnen vielen im Alltag. Eine der Aufgaben, die sich die Initiative Welser gegen Faschismus gesetzt hat, ist es, darauf aufmerksam zu machen und dagegen anzukämpfen. Diese Arbeit ist heute notwendiger denn je. Die Initiative hat dafür den Solidaritätspreis 2000 verliehen bekommen.
Seit 16 Jahren aktiv
Begonnen hat die Arbeit der Initiative Welser gegen Faschismus im März 1984 mit Protestveranstaltungen gegen die Nationaldemokratische Partei. Bald beschlossen die Mitglieder, aktiv Aufklärungsarbeit zu leisten. Seit 16 Jahren organisiert die Gruppe um Dr. Robert Eiter verschiedene Veranstaltungen, vom Fackelzug bis zu Diskussionen oder Kampagnen. 24 Punkte formuliert die Initiative in einer „Erfolgsbilanz“. Dazu gehören die Veranstaltung „Fremde im Land“ 1991 mit 900 Besucherinnen und Besuchern. Mit einer Sondervorstellung des Films „Schindlers Liste“ 1994 erreichte die Initiative 6.000 Jugendliche. Die Ausstellung „Anne Frank“ in diesem Jahr besuchten 800 Menschen.
Viele Erfolge
Die Initiative Welser gegen Faschismus arbeitet auch im humanitären Bereich. 1992 organisierte die Gruppe Baby-Nahrung für bosnische Flüchtlingskinder in Wels, und 1998 startete sie eine Spendenaktion für die Hinterbliebenen von Shukri Arifi, der 1997 bei einem Brandanschlag eines Welser Neonazis auf ein Ausländerwohnheim ums Leben gekommen ist. Für Shukri Arifi wurde heuer ein Gedenkstein gesetzt.
Vergangenheitsbewältigung
Im politischen Bereich stand zu Beginn vor allem die „Vergangenheitsbewältigung“ der NS-Zeit in Wels im Vordergrund der Arbeit. Die Initiative Welser gegen Faschismus hat wesentlich dazu beigetragen, die „braunen Flecken“ in Wels bewusst zu machen und zu beseitigen. Großes Medienecho fand etwa die Entfernung einer Gedenktafel für die Waffen-SS (1995) oder die Umbenennung der „Kernstockstraße“ in „Thomas-Mann-Straße“ (1997).
Elfriede-Grünberg-Preis
Beim Jahresplenum 2000 am 27. November hat die Initiative Welser gegen Faschismus zum ersten Mal einen eigenen Preis verliehen: den Elfriede-Grünberg-Preis; benannt nach einem jüdischen Welser Mädchen, das 1929, im selben Jahr wie Anne Frank, geboren wurde und als 13-Jährige von den Nationalsozialisten nach Osten deportiert worden ist, wo sich ihre Spur verliert. Ausgezeichnet wurden der Vizepräsident der Arbeiterkammer, Hans Kalliauer, der Klubobmann der Grünen im oö. Landtag, Rudi Anschober, der Leiter des Bildungshauses Schloss Puchberg, Wilhelm Achleitner, sowie der Welser SP-Bezirkssekretär Raimund Buttinger. Geehrt wurden sie für ihre jahrelange Unterstützung in der Bekämpfung von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit.
Preisgeld für Flüchtlingsheim
Das Preisgeld von 15.000 Schilling, hat die Inititive weitergegeben: An das „Haus Courage“, ein Flüchtlingsheim der Caritas in Wels. Die Stadt Wels hat den Betrag verdoppelt – sicher eine Frucht der Bewusstseinsarbeit der Initiative Welser gegen Faschismus.