Nicht das Problem, sondern der Mensch und seine soziale Lebenssituation stehen im Vordergrund: Das ist Leitidee eines neuen Drogenprojektes in Linz.
In Linz, so wird geschätzt, gibt es 200 bis 300 Menschen, die von harten Drogen abhängig sind. Sie kommen aus allen sozialen Schichten. „Viele, die mit illegalen Drogen zu tun haben, sind nicht ordentlich versorgt,“ sagt Claudia Bernreiter, eine der Sozialarbeiterinnen vom Verein „Substanz“. Diese Tatsache ließ Streetworker/innen für ein „niederschwelliges“ Drogenprojekt initiativ werden. – „Substanz“ begann am 29. November 2000 die Arbeit.
In der Streetwork mit jugendlichen Punks sind die Mitarbeiter/innen des Vereins Jugend & Freizeit auf die Drogenszene aufmerksam geworden. Neben den bestehenden Anlaufstellen (wie die Beratungsstelle POINT) fehlt ein Angebot, das Betroffene ohne Vorbedingung – wie etwa die Pflicht, eine Therapie zu beginnen – betreut, war ihre Überzeugung. Die Politik war bereit, dem Konzept zu folgen.Der Verein „Substanz“ in der Unteren Donaulände 10 in Linz will zunächst die Grundversorgung seiner Klienten sicherstellen. Sie können hier duschen, sich ein Essen kochen, die Wäsche waschen, ausspannen. Sucht jemand Rat, braucht Hilfe, will sich den Kummer von der Seele reden, findet sie/er hier kompetente Ansprechpersonen. Ein gemütliches Stüberl lädt zudem ein, sich mit Menschen in ähnlicher Lage zu unterhalten.
Nicht verelenden
Gesundheitsvorsorge und Überlebenshilfe, die der gesundheitlichen Verelendung entgegenwirkt, sind wichtige Aufgaben des Vereins: Sorgfalt im Umgang mit den Injektions-Nadeln – daher kostenloser Spritzentausch. Sorgfalt bei der Hygiene und Safer Sex (HIV- und Hepatitis-Beratung) sind Aufklärungsanliegen der Sozialarbeiter/innen. Einmal pro Woche kommt ein Arzt. Er untersucht kostenlos, denn viele wollen nicht ins Krankenhaus. Manche sind auch gar nicht versichert. Neben dieser Basisversorgung leisten die Sozialarbeiter/innen alle für die Sozialarbeit typischen Hilfestellungen: Hilfe bei der Arbeits- und Wohnungssuche, Wohnungsbetreuung, Krisenintervention, Familienberatung, Besuch der Klienten im Gefängnis, Unterstützung bei Behördengängen und Beratung zum Ausstieg. Zusammenarbeit mit anderen Hilfs-Einrichtungen ist selbstverständlich.
Im Gespräch bleiben
Wie wird man drogenabhängig? Darauf gibt es keine allgemein gültige Auskunft. Alkohol ist jedenfalls Einstiegsdroge Nummer 1, sagt Claudia Bernreiter auf Grund ihrer fünfjährigen Streetwork-Erfahrung. Um einen drogenabhängigen Menschen begleiten zu können, braucht es sein Vertrauen. „90 Prozent sind Beziehungsarbeit“, wissen die Sozialarbeiter/innen. Das sollten auch Menschen im privaten Umgang beherzigen: im Gespräch bleiben, nicht verdammen.
Stichwort:
Harte Drogen
Harte Drogen sind alle Opiate (Heroin, Ersatzdrogen wie Methadon, Morphium.) Es werden immer zusätzlich andere Drogen beikonsumiert wie Cannabis, Tabletten. Nicht jeder Konsum ist auch Sucht: Es ist jedenfalls zwischen Experimentierern und Leuten zu unterscheiden, die ohne desn ständigen Drogenkonsum das Leben nicht mehr aushalten würden.