„Bethlehem ist überall“ heißt es in einem bekannten Lied. Und seit Franz von Assisi in den Wäldern von Greccio seine erste lebendige Krippe aufgestellt hat, haben Maler und Schnitzer, Krippenbauer und Musiker immer wieder Bethlehem mitten in ihrer Welt entstehen lassen; in den Tiroler Gebirgstälern und in den Hinterhöfen der Großstädte, in kunstvollen barocken Oratorien und in schlichten Weisen des Volkes. Sie verweisen uns darauf: Bethlehem ist überall – und nur dort –, wo Menschen sich von der Liebe Gottes anrühren lassen. Wo sie dieses Kind ankommen lassen in der Geschäftigkeit ihres Alltags, in den Nächten ihrer Ängste, in den Tänzen ihrer Freude, in der Wärme und im Frost ihrer Beziehungen, in der Dunkelheit ihrer Suche und im Morgenrot ihrer Hoffnungen – auch in den Abgründen ihrer Schuld.
In den Worten Jesu entschlüsselt sich unsere Berufung zur Freiheit in Liebe, in seinem Tun begegnet uns die Sehnsucht nach dem wahren Menschsein, in seinem Sterben streckt uns der grenzenlos liebende Gott seine begleitende Hand entgegen. In Jesus von Nazareth macht Gott sichtbar, was er im brennenden Dornbusch Israel zusagt: Ich bin der Ich-bin-da. Lebendig und treu brennt meine Zuneigung für euch, die ich nach meinem Bild geschaffen habe.
Im Kind in der Krippe aber berührt uns Gott in besonderer Weise. Wer je dabei gewesen ist, wie aus dem Schrei des Wehenschmerzes unendliches Glück geboren wurde, mag erahnen, was Erlösung ist. Wer erfahren hat, wie durch alle Ängste, Sorgen und Hoffnungen hindurch Liebe aufblüht, wenn das Neugeborene im Arm der Mutter liegt, mag erahnen, wie sehr Gott will, dass er bei uns ankommen kann. Ein Kind ist er geworden, damit wir ihn ins Herz schließen können. Das Kind in der Krippe ist seine Weihnachtspost – ein Liebesbrief.