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Wo ältere Menschen ihren Platz haben

Pflegebedürftige brauchen in Ludesch nicht auf Herbergsuche gehen
Ausgabe: 2000/51, Ludesch, Pflegebedürftige
20.12.2000
- Michael Dittrich
Vielleicht ist es ein Fingerzeig: Das Motiv der diesjährigen Weihnachtsbriefmarke kommt aus einer Kirche, die dem heiligen Martin geweiht ist. Ganz im Sinne des Heiligen, der seinen Mantel mit einem Bedürftigen geteilt hat, ist die Pfarre Ludesch gerade im sozialen Bereich besonders aktiv.

Viele Aktivitäten der Pfarre – das 3000 Einwohner zählendeDorf liegt auf der Sonnenseite des Walgaus – finden in enger Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde statt. Das Miteinander ist für beide Seiten befruchtend, berichtet Pfarrer Eugen Giselbrecht: „In der integrierten Altenpflege (IAP) sind wir Ludescher vor Jahren bewusst neue Wege gegangen, die heute vielerorts nachgeahmt werden.“ Es geht dabei vor allem um eine Einrichtung, in der pfle-gebedürftige alte Menschen für kurze Zeit, etwa nach einem Spitalsaufenthalt oder wenn An-gehörige auf Urlaub fahren, ebenso Aufnahme finden wie langfristig Pflegebedürftige oder alte Menschen, die niemand mehr haben. Wichtig ist, dass die Leute in ihrem Dorf bleiben können.

Über Gott und die Welt

„Die Gemeinde sorgt für die Infrastruktur, und wir von der Pfarre gestalten das soziale Leben der Bewohner mit. Das heißt, wir besuchen die älteren Menschen regelmäßig, wir feiern gemeinsam Gottesdienst, machen verschiedene Veranstaltungen und sind da und hören zu oder reden einfach über „Gott und die Welt. Damit sind unsere älteren Mitbewohner ins Dorfgeschehen integriert und die Jungen verlieren auch nicht den Kontakt mit der älteren Generation“, so der Pfarrer. „Groß ist die Freude bei unseren Senioren beispielsweise, wenn die Pastoralassistentin zu ihnen kommt, um mit ihnen Lieder zu singen“, ergänzt Dieter Jenni, der Leiter des IAP-Sozialzentrums Ludesch. Bürgermeister Paul Amann unterstreicht: „Für mich ist die Pfarre eine wichtige Institution in unserer Gemeinde. Wir helfen uns gegenseitig, wo nötig, auf kurzem Weg ohne viel Bürokratie. Die Altenpflege ist dafür ein gutes Beispiel und nur auf diesem Weg auch zu verwirklichen.“

Erfolgreiche Projekte

Ein zweiter Bereich ist die Hauskrankenpflege. Dafür wurde im Dorf ein eigener Verein gegründet, der sowohl von der Pfarre als auch von der Gemeinde menschliche und finanzielle Unterstützung bekommt. Pfr. Eugen Giselbrecht: „Viele aktive Pfarrmitglieder sind auch im Krankenpflegeverein engagiert. So etwa ist der Obmann des Krankenvereins, Wilfried Amann, gleichzeitig Organist.“
Durch diese Verknüpfung haben beide Institutionen gemeinsam schon mehrere Projekte erfolgreich gestaltet, etwa Besuchsdienste oder spezielle Gottesdienste für die älteren Menschen sowie Pfarrbasare, deren Einnah- men dem Krankenpflegeverein zu Gute kommen.
Auch sonst verweist Giselbrecht mit etwas Stolz auf das rege Sozialengagement der Pfarre, das auch über die eigenen Dorfgrenzen hinausreicht: „Wir haben einen sehr aktiven Missionskreis, der zwei Mal im Jahr einen Suppentag organisiert. Dieser findet großen Anklang bei der Bevölkerung. Die Spenden kommen der Arbeit der beiden Vorarlberger Missionare Richard Flatz und Georg Nigsch in Ecuador zu Gute.“


Die Weihnachtsbriefmarke erzählt


Vor rund 400 Jahren hat mein Bild ein heute unbekannter Künstler für den gotischen Flügelaltar der Martinskirche in Ludesch geschaffen. Damals kamen die Menschen mit ihren Freuden, aber noch öfter mit ihren Ängsten und Nöten in dieses Gotteshaus. Kaum geboren, starben ihnen viele Kinder weg; die Pest rottete ganze Familien aus; bei vielen Krankheiten waren die Menschen hilflos. Auch ihr Vieh hatte oft unter schrecklichen Seuchen zu leiden.
Mit meinem Bild konnte ich im Laufe der Zeit vielen Menschen sagen: Seht, da liegt der Mensch gewordene Gottessohn, nackt und hilflos, in einem Weidenkorb. Er ist euch gleich geworden. Er teilt solidarisch mit euch all eure Nöte. Mit Ochs und Esel sind auch die Tiere bei ihm gut aufgehoben. Wenn ihr wie Maria und Josef anbetend und staunend innehaltet, werdet auch ihr seine Nähe erfahren. Erwartet aber keine große Sensation! Gottes Eingreifen beginnt ganz mickrig in einem schwachen Kind.
All das ist zeitlos in diese Welt und Zeit hineingestellt: Daran erinnern die Berge und Täler auf dem Bild, die Stadt und die beiden Männer, die, wie ihr, bei diesem Ereignis staunend verweilen. Über allem wölbt sich der Nachthimmel, dessen Dunkel durch das Licht der funkelnden Sterne golden erglänzt.
Ich kann euch, die ihr mich verschickt oder empfängt, nur wünschen: Möge diese beglückende Botschaft, die ich darstellen darf, auch euch in euren heutigen Nöten, Ängsten und Sorgen Licht und Hoffnung schenken.
Eugen Giselbrecht
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