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Freudentränen in Zeiten der Not

Wie ein guter Mensch in Gorazde sieben Familien mit 30 Kindern Weihnachtsfreude bescherte
Ausgabe: 2001/01, Gorazde, Armut,
09.01.2001
- Ernst Gansinger
Eine unverhoffte Freude konnte die neunzehnjährige Amela sieben Familien im bosnischen Gorazde machen. Sie brachte im Auftrag von Kirchenzeitungs-Solidaritätspreisträger Adi Hohensinn Kleidung, Nahrung und Geld zu Familien ihrer Heimatstadt Gorazde.

Amela ist seit 27. Dezember 2000 Adoptivtochter des Haslacher VOEST-Pensionisten Adi Hohensinn. Seit mehr als zwei Jahren hilft sie in seiner Organisation „Österreichische Patenschaften für bosnische Familien“ mit. Hohensinn gründete sie nach einem Besuch Gorazdes. Amela erlebte als Kind die Hölle von Gorazde. Sie verlor viele Freunde und auch Verwandte. Die Lage hat sich nach dem Krieg nur wenig gebessert: Arbeit fehlt, es gibt kein einwandfreies Trinkwasser, Menschen leben in Ruinen, ein Drittel kann nicht in ihre Häuser zurück. Groß ist die Zahl der Waisen ...

Essen, heizen und anziehen

Seit Herbst 2000 studiert Amela in Linz. Zu Weihnachten fuhr sie nach Gorazde. Im Gepäck hatte sie auch 20.000 Schilling von einem Kirchenzeitungs-Spendenkonto mit einer besonderen Geschichte. Sie konnte sieben der ärmsten Familien mit 30 Kindern helfen. Sie kaufte günstig – am Markt in Gorazde – Jacken, Schuhe, Pullover, Hosen, Stiefel, Socken, T-Shirts ... und kleidete manche neu ein. Einige Familien gab sie auch Geld, um Nahrungsmittel oder Heizmaterial kaufen zu können. So weinten Amela und die beschenkten Menschen manche Träne der Freude inmitten von Tränen der Not.

Armut hat viele Gesichter

Amela besuchte Kinder, deren Mutter nach dem Krieg zurück in ihre Heimat Mazedonien ging. Der Vater heiratete wieder und ließ wie die Mutter die Kinder im Stich. Diese leben nun bei den Großeltern. Die Pension des Opas (120,– DM) muss für alle reichen, auch für den mitwohnenden invaliden Bruder des Vaters.Auch der Familie arbeitsloser Eltern half Amela mit Geld aus. Der Sohn ist behindert, die Tochter hat keinen Schulabschluss, keine Arbeit. Noch wohnt die Familie in einer 25-m2-Wohnung, wird aber am 1. Februar delogiert. Sie muss ihre Hausruine im serbischen Gebiet notdürftig reparieren. In einer anderen Familie hat eine Tante die Mutterrolle für drei Vollwaisen übernommen. Auch hier half Amela mit Geld für Brennholz und Lebensmittel. Die Mutter der Kinder erfror 1993 auf dem Weg über die Berge beim Lebensmittel-Besorgen; der Vater starb vor zwei Jahren. Von der Waisenrente müssen alle leben.

Spendenkonto

Seit Jahren zahlt eine Person, die nicht genannt werden will, regelmäßig auf das Kirchenzeitungs-Spendenkonto 10.302.099 bei der VKB (BLZ 18.600) ein. Wir haben es seinerzeit für die Kinderhilfs-Aktionen in Rumänien und Kroatien eingerichtet. Projekte, die mittlerweile abgeschlossen sind. Ihr Geld, so der Auftrag der weiter spendenden Person soll nun anderen armen Kindern in ehemals kommunistischen Ländern helfen. Wie eben den Kindern in Gorazde.
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