Caritas Linz unterstützt Frauen-Weiterbildung im Kongo
Ausgabe: 2001/01, Caritas, Weiterbildung, Kongo,
09.01.2001
- Christine Haiden
„Eine Frau zu bilden, heißt, ein ganzes Volk zu bilden“ steht an der Tafel der Schule von Lukonzolwa. Weit draußen im Buschland des westafrikanischen Landes Kongo zeigen Frauen, was an diesem Ausspruch dran ist. Die Caritas Linz unterstützt sie dabei.
„Le cahier est bleu“, das Heft ist blau, tönt es laut und im Chor aus den Bankreihen. Die ABC-Schützen, die hier der Lehrerin nachsprechen, sind allerdings keine sechsjährigen Kinder, sondern erwachsene Frauen. Viele haben ihr jüngstes Kind auf den Rücken gebunden. Die farbenfroh gewandeten Mamas haben ein Ziel: Sie wollen lesen, rechnen und schreiben lernen und dann selbst zum Lebensunterhalt ihrer Familie beitragen. „Mein Kind, wenn ich die Schule gemacht habe, wirst etwas Besseres zu essen bekommen“, sagt eine Mutter zu ihrem Kleinen. „Und du, mein Baby, wirst studieren können“, fügt eine Zweite hinzu. „Dann werden wir uns auch gute Kohle leisten können und müssen beim Kochen nicht mehr so viel giftige Gase einatmen”, fällt einer Dritten ein gutes Argument für den Schulbesuch ein. Während der Trockenzeit von April bis Oktober gibt es auf den Feldern nicht so viel zu tun. Da klemmen sich die Frauen dann vier Mal pro Woche am Nachmittag hinter jene Schulbänke, die am Vormittag ihre Kinder bevölkert haben.
Unterentwicklung
In kleinen Gruppen fügen sich die grasgedeckten Lehmhäuser von Lukonzolwa aneinander. Hohe Palmen spenden Schatten. Könnte man die bittere Armut der Einwohner einfach ausblenden, bliebe eine schöne Kulisse für einen sonnigen Tourismusort. Aber im Kongo, sieben Mal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland, herrschen Bürgerkrieg und eine Militärregierung. Wer Macht hat, beteiligt sich an der Ausbeutung der immensen Bodenschätze des Landes. Wie es dem einfachen, 49 Millionen zählenden Volk geht, scheint den Machthabern egal. Die meisten Familien ernähren mit ihren kleinen Maniokfeldern durchschnittlich sechs Kinder. Im Kongo muss Schulgeld gezahlt werden. Im Zweifelsfall drücken die Söhne und nicht die Töchter die Schulbank.
Kredite für die Frauen
Ja, eine Mühe sei der Unterricht schon, erzählt Antoinette. Vor allem Französisch zu lernen, die offizielle Amts-und Unterrichtssprache, falle ihr schwer. Aber Mama Antoinette, wie sie gerufen wird, hat ein Ziel: Sie will einen Verkaufsstand in ihrem Heimatort Lukonzolwa eröffnen. Dazu wird sie, wenn sie erst die drei Jahre Nachmittagsunterricht geschafft hat, von der Caritas einen kleinen Kredit bekommen. Durch das Alphabetisierungsprogramm wurden in der Region Lukonzolwa innerhalb von drei Jahren schon 2.300 Frauen eingeschult. Das Kreditprogramm ist ein nächster Schritt. Franz Prüller, Generalsekretär der Auslandshilfe der Caritas Österreich: „Mit diesen Projekten unterstützen wir, dass sich eine Zivilgesellschaft bildet. So kann sich langfristig etwas verändern.“ Die notwendigen Finanzmittel in der Höhe von 2,3 Millionen Schilling will künftig die Caritas Linz aufbringen. Wer die Frauen bildet, bildet ein ganzes Volk. Für diesen Schritt ist es auch im Kongo hoch an der Zeit.