Was in den Pfarren Steinerkirchen und Fischlham 1995 als Kleidersammelaktion begann, hat sich zu einem Netzwerk für die Bosnien- und Kosovo-hilfe entwickelt.
„Die eigene Bequemlichkeit aufgeben und professionell helfen. Mit diesem einfachen Rezept lässt sich viel bewegen“, meint Eva Fischer. Die ausgebildete Lehrerin ist der Motor der Bosnien- und Kosovoprojekte der Pfarren Steinerkirchen und Fischlham. Ihr zur Seite stehen Sr. Hildburg Radinger und ein Team von acht Helfern. Dieser kleine, aber harte Kern von Aktivisten hat schier unvorstellbares bewegt: In den vergangenen fünf Jahren sammelten sie über 240 Lkw-Züge mit Hilfsgütern und brachten sie in das ehemalige Jugoslawien.
Der Pfarrgemeinderats-Fachausschuss „Flüchtingsbetreuung “ von Steinerkirchen und Fischlham ist längst schon über die Grenzen der Pfarre hinausgewachsen. Zum Hilfsnetzwerk gehören in der Zwischenzeit die Pfarre St. Georgen/Gusen und die Seelsorgestelle Treffling, eine enge Kooperation besteht auch mit der Aktion „Bauern helfen Bauern“.
Die Liste der aktuellen Hilfsprojekte, die vom Kreis um Eva Fischer betreut werden, ist lang. Oberste Dringlichkeit hat die Versorgung von 500 Flüchtlingen mit dem täglichen Brot. In Zelten, Verschlägen oder Kellerräumen untergebracht, warten diese Menschen seit Juli 2000, dass sie in ihre Heimatdörfer zurückkehren können. Der Friedensvertrag von Dayton garantiert ihnen zwar die Rücksiedlung, doch die Behörden der Republika Srpska arbeiten langsam, wenn es um moslemische Bosnier geht. So gut wie alle alten Menschen dieser Lager sind jetzt, im Winter, krank, erzählen die Helfer aus Oberösterreich.
Brot für Moslems und Serben
Die Lager-Kinder werden besonders unterstützt. Ihr Brot bringt der Bäcker direkt in die Schule, wobei die serbischen Kids benfalls nicht leer ausgehen. Fischer: „Wir kommen oft auch ohne Hilfsgüter in die Lager. Die Besuche als Zeichen der Freundschaft sind mindestens so wichtig wie die materielle Unterstützung.“ Die oö. Pfarren leisten in Bosnien Pionierarbeit. Soeben wurde ein Drogentherapiezentrum bei Banja Luka eröffnet. „Ein Projekt von Frauen für Männer“, erklärt Fischer. Klosterschwestern stellten das Gebäude zur Verfügung, Bäuerinnen und Frauen des Netzwerkes Steinerkirchen und Fischlham sorgten für die Einrichtung. Bereits fünf Männer sind auf Entzug. Der Einsatz fordert den Helfern aus Oberösterreich viel Kraft ab, dennoch: „Wir sind nicht nur die Geber, wir bekommen viel zurück: Wertschätzung und Zuneigung.“