Pregarten: Karl Peböck sammelt alte Bibeln, Mess- und Gebetbücher
Ausgabe: 2001/05, Pregarten, Pehböck, Gebetbücher
30.01.2001
- Josef Wallner
Vom Wohnzimmer über das Vorhaus bis zu den Gästezimmern – in jedem Raum von Karl Peböcks Haus stehen Regale, die übervoll sind mit alten Messbüchern, Gebetbüchern und Bibeln.
Voll Stolz zieht Karl Peböck ein schweres Messbuch mit rotem Einband aus dem Bücherregal: „Das ist die Ausgabe des Missales, die ich als Ministrantenbub in Bad Zell getragen habe.“ Schon seit seiner Kindheit haben ihn die schweren Bücher in Bann gezogen. Mitte der siebziger Jahre begann er sie dann zu sammeln: Gebetbücher, Bibeln und Messbücher.
Gebetbuch der Mutter
Das Firmgebetbuch seiner Mutter war das erste Stück der Sammlung. Häufig wurde Peböck auf Flohmärkten fündig, aber auch zu den Bibliothekaren der Klöster hat er Kontakte geknüpft. Manche gaben dem begeisterten Sammler Exemplare aus ihrem Bestand an Büchern, die sie in mehreren Ausführungen hatten. Andere „bezahlten“ Peböcks Hilfsdienste in der Bibliothek in „Buchwährung“. Seine Sammlung umfasst inzwischen 165 Missale, 200 Bibeln und eine Fülle von Gebetbüchern. Zu vielen seiner Prachtstücke kann der pensionierte VOESTler eine Geschichte erzählen. Ein Missale aus dem Jahr 1716, das durch seine übergroßen Buchstaben auffällt, gehörte einem Abt von Admont. Weil er stark sehbehindert war, ließ er sich ein eigenes Messbuch anfertigen.
Fund am Dachboden
Mit großer Freude blättert Peböck auch in einem Psalterium. Als er es in die Hände bekam, war es ein dicker Packen einzelner Seiten, fein säuberlich eingeschlagen in Papier und mit Bändern verschnürt. Aus welchen Gründen ist nicht mehr nachvollziehbar – das Paket wanderte jedenfalls ungeöffnet auf einen Dachboden. „Es war ein erhebendes Gefühl, als ich die Knoten gelöst habe und auf handgeschöpftem Papier gedruckte Psalmtexte in Händen hielt“, erzählt Peböck. Ein Buchbinder fertigte aus den einzelnen Blättern ein prächtiges Psalterium. Somit dauerte es dreihundert Jahre, bis das Werk vollendet wurde. Zu den schönen Stücken seiner Sammlung gehört eine Lutherbibel aus dem Jahr 1650. Deren Einleitung zeigt Illustrationen der Familie Martin Luthers.
Beten im Eilzugstempo
Wie lebendig das Gebetsleben zu Beginn des 20. Jahrhunderts war, zeigen „stenographische Gebetbücher“: Um die Kurzschrift nicht zu verlernen, wurde das Geistliche mit dem Nützlichen verbunden und die Texte in Stenografie abgefasst.Aufwendig gestaltete Einbände, prächtige Illustrationen und das hohe Alter mancher Exemplare machen für Peböck den Reiz seines Hobbys aus, das im Laufe der Jahre zu einer Leidenschaft geworden ist: „Das Schönste ist aber das Wissen, dass aus diesen Büchern schon unzählige Menschen gebetet haben.“
Über Hinweise auf Gebetbücher, Bibeln und Messbücher ist Karl Peböck dankbar: Tel. 07236/60 07 oder Tel. 0676/700 43 64.