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Christen tragen den Temelin-Widerstand mit

Lokalaugenschein in Temelin: Prinzip Vorsicht gegen Prinzip Vertrauen
Ausgabe: 2001/06, Temelin, Widerstand, Blockade, Christen, Vorsicht, Vertrauen
06.02.2001
- Ernst Gansinger
Der Schöpfungsgeschichte stellte die Gottesdienstgemeinde in Hauzenberg, Bayern, den „Erschöpfungsbericht“ von Jörg Zink gegenüber. 200 Teilnehmer/innen folgten der Einladung des Katholischen Frauenbundes und ließen sich zum Abschluss zu Aktivitäten aufrufen.
Josef Pühringer, Geschäftsführer der OÖ. Plattform gegen Atomgefahren, hat diesen Gottesdienst mitgefeiert. Der Rückhalt von Christen und Christinnen im Widerstand gegen das Atomkraftwerk Temelin ist für viele Anti-AKW-Aktivisten wichtig. Schwierige Phasen stehen bevor: Tschechien zeigt bisher keine große Bereitschaft, das Abkommen mit Österreich von Melk umzusetzen; besonders hinsichtlich der Umweltverträglichkeitsprüfung. Nur der freie Personenverkehr war bisher wie vereinbart gesichert. Alle Zeichen stehen wieder auf Protest: Am Freitag, 16. Februar, soll die Grenze wieder blockiert werden. Außer Tschechien nimmt das Melker Abkommen endlich ernst.


Vertrauen oder Vorsicht


„Reparatur der Turbine ist kein genauer Begriff“, erklärt der Informations-Ingenieur des Kernkraftwerkes Temelin der „ganz normalen Exkursion“ aus Österreich. Auf das „ganz normal“ legen die Temelin-Angestellten im Informationszentrum Wert. Und darum gibt es eben keine Fotografier-Erlaubnis und auch keinen Blick in den Reaktorblock 1, wo gerade – was eigentlich?– repariert wird: die Turbine oder die Rohrleitung.

Zur ganz normalen Exkursion luden am 31. Jänner 2001 die Überparteiliche Plattform gegen Atomgefahr und andere Anti-AKW-Temelin-Aktivisten ein. Etwa zehn Journalisten aus Oberösterreich waren dabei. – Alles kein Problem, ein paar verbesserungswürdige Kleinigkeiten seien im Probebetrieb bei allen technischen Großvorhaben ganz normal. Trotz fünftem oder sechstem Zwischenfall sei alles normal. So weit die Zusammenfassung dessen, was die österreichische Delegation in den Stunden der Exkursion zu hören bekam.

Da gab es aber beim Lokalaugenschein ein Erlebnis, das Symbolkraft hat, mehr vermitteln kann, als es viele technische Fragen und die schuldig gebliebenen Antworten vermögen: Wir mussten den Lift benutzen, um auf 36 Meter Höhe im Reaktorblock 2 zu kommen (der noch vor Ende des heurigen Jahres den Probebetrieb aufnehmen soll). Man pferchte uns wie Ölsardinen in den Materiallift. Mehr als 30 Leute. Dann drückte der tschechische Begleiter den Liftknopf. Doch der Lift rührte sich nicht. Tür auf, wieder zu; noch einmal gedrückt, und wieder und wieder. Viele der österreichischen Delegationsteilnehmer/innen hatten ein mulmiges Gefühl, wollten hinaus. Der tschechische Begleiter ließ aber von seinen Versuchen nicht ab. Nicht Vorsicht ließ ihn schließlich doch kapitulieren, sondern weil der Esel (Lift) bockte. Wir durften endlich die Treppen hochsteigen. Wir Österreicher hatten das ungute Gefühl, dass die Technik versagen könnte und wir mitten in der Fahrt stecken bleiben. Wir hätten Vorsicht der Bequemlichkeit vorgezogen. Unser tschechischer Begleiter kannte diese Sorge offensichtlich nicht. Im vollen Vertrauen in die Technik versuchte er es wieder und wieder.... So wie mit dem Atomkraftwerk!
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