Franz Benezeder, geboren 1956, wurde 1982 zum Priester geweiht und ist seit 1988 Pfarrer in St. Georgen an der Gusen/OÖ.
Mit den klaren, mahnenden Worten sagt uns Jesus, dass der Grund von vielem Übel in uns selber liegt. Wir wissen, was die Fehler der anderen sind. Wir sind schnell und gedankenlos im Urteil über andere. Wir nehmen uns des Splitters im Auge des anderen an, sind uns selbst gegenüber aber vielfach blind. Wir richten damit Schaden an, werden schuldig.
Jesus aber lenkt unseren Blick auf unser Inneres. Er macht uns bewusst, dass unser Denken, Reden und Handeln immer Ausdruck dessen ist, was in uns lebt. Was und wie wir über andere denken und reden, sagt am meisten über uns aus. Was in unserem Herzen verschüttet liegt an Groll, Schmerz, Aggression und Zorn, wird zur giftigen Mülldeponie, wenn wir es nicht entsprechend entsorgen. Wenn wir das Dunkle in uns unterdrücken und verdrängen, wird es sehr mächtig werden und sich einen Weg nach außen suchen – was uns meist nicht bewusst ist. Es trübt und verdunkelt unseren Blick und unsere Gedanken und kommt oft als Gift heraus. Was wir am anderen bekämpfen ist das, was wir an uns nicht annehmen können und verleugnen. Wir übertragen sozusagen den Feind in uns auf den anderen, so wie es das afrikanische Sprichwort sagt: „Das Böse ist der Finger, der auf den anderen zeigt.“ Das ist letztlich die Erklärung für Feindbilder und Sündenböcke, die eine Gesellschaft und wir persönlich brauchen, um von uns abzulenken. Je mehr wir unseren Schatten, das, was wir vom Leben ausgeschlossen haben, ängstlich unter Verschluss halten, umso mehr werden wir von ihm beherrscht. Selbstgerechtigkeit und Empfindlichkeit gegenüber Kritik an uns sind die Folgen.
Wir werden unsere eigene Wahrheit aber nur anschauen können, wenn wir sie der Liebe Gottes hinhalten, wenn wir die Barmherzigkeit Gottes für uns annehmen können. Es braucht die Fähigkeit, über eigene Nöte, über den Schmerz, der uns vielleicht schon über Jahre quält, zu reden. Wenn wir um den eigenen Wert vor Gott wissen, wird uns das auch den Blick öffnen für das Gute im anderen, ja überhaupt für das Schöne und die Freude am Leben. Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund. Es liegt in unserer Verantwortung, dass wir uns dem Guten, der Liebe, dass wir uns Gott selbst öffnen.
Der erste Adressat der Botschaft Jesu sind wir zuerst immer selber. Das Evangelium eignet sich nicht zum Moralisieren und zum Belehren der anderen. Es ist vielmehr Spiegel für uns selber und Zuspruch Gottes, seiner Liebe und seines Heiles. Je mehr wir selber davon erfüllt sind, umso mehr kann es durch uns spürbar und wirksam werden. An unseren Früchten werden wir zu erkennen sein.