Asche ist in vielen Religionen und Kulturen ein mit Schuld und Tod verbundenes Zeichen. In der biblischen Erzählung vom Sündenfall spricht Gott zu Adam: „Mit Schweiß im Angesicht wirst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Ackerboden. Von ihm bist du ja gekommen. Denn Staub bist du, und zum Staub musst du zurück“ (Gen 3, 19). Die kirchliche Liturgie wiederholt dieses Wort alljährlich am Aschermittwoch. Der Priester spricht es bei der Erteilung des Aschenkreuzes, um die Christen an den Tod und das künftige Gerichtetwerden durch Gott zu erinnern. Dieses Aschensymbol ist aber kein Verweis auf einen endgültigen Tod, sondern eine Mahnung zur Umkehr als Bedingung für den Eintritt in das ewige Leben. Das deutende Wort bei der Erteilung des Aschenkreuzes müsste in seiner Vollgestalt daher lauten: Gedenke, o Mensch, dass du Staub bist, aber bestimmt zur Auferstehung in das ewige Leben. Die zweite Hälfte dieser Wahrheit wird von der Kirche am Ende der Fastenzeit, zu Ostern, verkündet.
Asche beschmutzt, aber sie ist leichter, weniger anhaftend als Erde, als Lehm. Asche ist durch Feuer gereinigter Erdenstoff. Aus der Asche erhebt sich in einer antiken Sage der Vogel Phönix zu neuem Leben. Er lässt die Asche zurück. Der Christ aber glaubt, dass in der Auferstehung seine Geschichte – die Erde, die Asche – freilich geläutert durch das Feuer des Gerichtes, mitgenommen wird in das ewige Aufgehobensein bei Gott.
Asche wurde früher auch bei der feierlichen Weihe einer Kirche verwendet. Man streute das Kreuz aus Asche diagonal so auf den Boden, dass die Balken auf die Ecken auf die Ecken des Kirchenraumes wiesen. Dann schrieb der Bischof mit seinem Stab das Alphabet mit allen seinen Buchstaben auf die Kreuzbalken. In das Flüchtige, das Verwehende, in den Staub wurde die Perspektive der Ewigkeit gezeichnet. Das Symbol scheinbarer Vergeblichkeit menschlichen Lebens und Mühens wurde zur Chiffre für Transzendenz.
Aus: Egon Kapellari, Heilige Zeichen in Liturgie und Alltag.