Seit Jahren besteht ein intensiver Religionsdialog zwischen Österreich und Iran. Die offizielle Einladung an den Wiener Erzbischof, das Land vom 17. bis 22. Februar zu besuchen, gilt als besonderes Zeichen für gute Beziehungen.
„Ich bin sicher, dass dieser Besuch das gegenseitige Verständnis und die Beziehungen stärken wird“, heißt es in der Einladung, die Kardinal Christoph Schönborn am 10. Jänner von Ibrahim Rahimpur, dem iranischen Botschafter, persönlich in Empfang nehmen durfte. Unterschrieben ist sie von Ajatollah Taskhiri, seines Zeichens Präsident der Organisation für islamische Kultur und Beziehungen in Teheran.„Der Besuch setzt ein Zeichen, dass beide Seiten den christlich-islamischen Dialog begrüßen und bejahen“, freut sich P. Andreas Bsteh. Seit zehn Jahren ist der Steyler-Missionar in St. Gabriel Initiator des Wiener Internationalen Christlich-Islamischen Dialogprozesses. „Ja, es ist etwas Außergewöhnliches, wenn einem hochrangigen Vertreter der katholischen Kirche diese Form der Gastfreundschaft angeboten wird. Das wächst heraus aus den christlich-islamischen Beziehungen, die wir aufbauen konnten.“
Dialog: einziger Ausweg
Beziehungen, die nicht selbstverständlich sind, wie der Professor für Religionstheologie meint. Denn 15 Jahrhunderte kennzeichneten schwere Spannungen und Konflikte das Verhältnis zwischen Christentum und Islam. „Selbst heute müssen sich beide Seiten anstregen, um jenes Verständnis zu erreichen, das über Toleranz hinaus zum gegenseitigen Anerkennen der Gleichberechtigung führt“, sagt der Theologe. Für ihn signalisiert die Reise: „Es gibt keinen anderen Weg, den wir vor Gott verantworten können, als dass wir den Dialog suchen.“
Deshalb gehe es in den sechs Tagen, die Bsteh seit einem halben Jahr vorbereitet hat, um persönliche Begegnungen und „nicht um theologische Disputationen. Das passierte vor Jahrhunderten, als man sich gegenseitig zeigen musste, wer mehr Recht hat. Heute müssen wir die Last der Geschichte abbauen und das gerechte Zusammenleben aller Menschen vorbereiten“, meint P. Bsteh. über den Dialog. Auch die Partner im Iran wissen, dass die Welt von morgen entweder ein einziges Zusammenleben bringen wird oder den riesigen Konflikt.“Was für die Dialogpartner aber nicht heißt, ohne Meinungsverschiedenheiten auszukommen. Im Gegenteil: „Jede Freundschaft lebt auch in einer Streitkultur.“ Denn der Theologe erlebt das Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern des Islams im gegenseitigen Vertrauen, „dass Gott die Menschen führt, die ihn suchen.“ Und so hofft P. Andreas Bsteh, dass es bald nichts Außergewöhnliches mehr sein wird, wenn ein Kardinal zum Dialog in den Iran reist. Auch wenn das heute noch der Fall ist.
Hintergrund:
Österreich baut Brücken
„Wenn es heute einen lebendigen Dialog zwischen Christen und dem iranischen Islam gibt, dann hat Österreich viel dazu beigetragen“, urteilt P. Bsteh. Der Leiter des Religionstheologischen Institutes in St. Gabriel ist zwar seit drei Jahrzehnten um Kontakte zu den Weltreligionen bemüht, doch der Impuls für den Dialog mit dem Islam kam Anfang der 90er Jahre von Außenminister Dr. Alois Mock. „Es war zur Zeit des Golfkrieges. Er drängte uns, die Beziehungen zur islamischen Welt für das Thema ,Religion und Gesellschaft‘ einzusetzen. Und zwar als private Initiative der Steyler-Missionare, doch mit Unterstützung durch das Außenministerium in Wien. Bis heute ist das ein einzigartiges Projekt“, meint P. Bsteh. Der „Wiener Internationale Christlich-Islamische Dialogprozess“ startete 1993 mit der viel beachteten Konferenz „Friede für die Menschheit“. Die zweite Konferenz in Wien 1997 stand unter dem Motto „Eine Welt für alle“. Auf Wunsch des Iran vereinbarten 1993 St. Gabriel und das „Sekretariat für interreligiösen Dialog“ in Teheran eine Kooperation. 1996 ging daraus die 1. iranisch-österreichische Dialog-Konferenz in Teheran hervor. Das iranische Fernsehen zeigte davon eine zehnteilige Dokumentation. 1999 folgte die zweite bilaterale Runde in Wien. Beide Dialoge sind in Buchform in Farsi und Deutsch publiziert.