Den Großteil der Arbeit in der Landwirtschaft verrichten weltweit Frauen. Doch sie sind besonders von Armut und Unterernährung betroffen. Ein eigenes Stück Land hilft, wie die Kaffeeplantage „Las Gaviotas“ in Nicaragua zeigt.
Ein kühler Wind weht hier oben auf 1500 Meter in der Nähe von Dipilto, nur wenige Kilometer entfernt von Nicaraguas Grenze zu Honduras. Hier ist die beste Erde für den Anbau von Kaffee, dem Hauptexportprodukt des mittelamerikanischen Landes. Bis vor kurzem war dieses fruchtbare Land fest in Männerhand.
Frauen verdienten ihr Geld nur als schlecht bezahlte Tagelöhnerinnen auf den Plantagen. Heute bebauen hier Frauen ihren eigenen Grund. Durch die Aktion Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfbö) wurde der Landkauf finanziell unterstützt. Das bietet ihnen die Möglichkeit, für sich und ihre Familien eine gesicherte Existenz aufzubauen. Nach einer Fernsehserie über erfolgreiche Frauen nennen sie nun ihre sechs Hektar große Kaffeeplantage „Las Gaviotas“ – die Möwen.
Sicherheit für das Leben
„Das Schönste für mich ist, dass wir jetzt alle zusammenarbeiten“, sagt Julia Sánchez (43). „Und endlich haben wir einen Ort, wo uns keiner mehr davonjagen kann oder uns das Land wegnimmt. Jetzt muss ich nicht mehr jeden Tag daran denken, wo ich wohl Arbeit finden werde.“ Für die zehnfache Mutter und Mitbegründerin von „Las Gaviotas“ hat sich das Leben grundsätzlich verändert. Durch die unabhängige Frauenorganisation „Stiftung zwischen Frauen“ hat sie nicht nur neue Produktionsmethoden gelernt, sondern auch Lesen und Schreiben.
Einige Stunden Fahrt auf der staubigen Landstraße entfernt liegt „Nueva Alianza“, bei Condega, wo es heißer ist als in „Las Gaviotas“. Aber auch hier sind die Frauen bei der Landarbeit. Zwiebeln, Karotten und Kartoffeln werden angebaut. Seit einem Jahr besitzen hier sechs Frauen mit ihren Familien eigenes Land und ziehen Kühe auf.
Landwirtschaft fördern
Mit Unterstützung der „Stiftung zwischen Frauen“ schließen sich immer mehr ehemalige Plantagenarbeiterinnen zusammen. Und die Aktion Familienfasttag will den Aufbau landwirtschaftlicher Betriebe in Frauenhand fördern. In Nueva Alianza wurden bereits zehn Kälber und eine Milchkuh gekauft. Die Grundstücke wurden von den Frauen auf Kredit erworben, den sie in den kommenden zehn Jahren zurückzahlen müssen.
Warum ist es für Frauen in Nicaragua so wichtig, eigenes Land zu besitzen? Diana Martínez, Präsidentin der „Stiftung zwischen Frauen“, antwortet darauf: „Ohne eigenes Land werden alleinstehende Frauen immer wieder von ihrer Arbeit vertrieben. Sie haben kaum eine Chance, Kredite für den Anbau zu bekommen. Und sie sind der Gewalt von Männern ausgesetzt, die vor allem auf dem Lande noch immer zur Tagesordnung gehört.“
Spekulanten lauern
„Heute zeigt der Staat keinerlei Interesse, Land in den Händen der Bauern, geschweige denn in Händen der Bäuerinnen zu lassen“, meint Xiomara Bello. Sie lebt im Süden des Landes und ist Ausbilderin für landwirtschaftliche Angelegenheiten bei der regierungsunabhängigen Organisation CANTERA. „Wo ich arbeite, versuchen höhere Staatsangestellte das Land verarmter Kleinbauern zu lächerlichen Preisen aufzukaufen. Damit fördern sie einerseits erneut den Großgrundbesitz. Oder sie spekulieren, wie dies an der Küste geschieht, mit den Ländereien, an denen der Massentourismus Interesse hat.“
Der Abend senkt sich über Condega, und die Kühe der Frauen von Nueva Alianza grasen gemächlich. Die Familien sitzen beim Essen. Es scheint, dass hier dank der Unterstützung aus Österreich ein Ansatz zu einer neuen Lebensweise geschaffen wurde.
Mein Gedanke:
Eine Hand voll Erde
Keine Landkarte ist auf dem Plakat zu sehen und kein Globus – nur ein Stück Erde. Nicht Herrschaft über Land wird sichtbar, sondern Sorge für das Land. Ein kleines Stück Erde, dunkel und fruchtbar, sie keimt und es wächst aus ihr. Alles gehalten von einer Frauenhand, die Arbeit kennt, die das Leben kennt, die vertraut ist mit Erde und mit Fruchtbarkeit. Von jeher liegen Leben und Fruchtbarkeit in Frauenhand. Seit Jahrtausenden bebauen Frauen Land, sorgen für Wachstum, für Nahrung für die Familie. Doch viel zu selten verfügen Frauen über Land. Wenn man weiß, dass nach wie vor nur ein Prozent des Landbesitzes in Frauenhänden ist, dann stimmt das Bild: es ist nur eine Hand voll Erde.
Darum ist das Motto des Familienfasttages: Teilen für Land in Frauenhand. Weil es mehr braucht als eine Hand voll Erde zum Überleben. Weil es mehr Land braucht, damit aus dem keimenden Grün Nahrung wächst. Weil es an der Zeit ist, dass Land nicht mehr in erster Linie „Besitz“ bedeutet oder Spekulationsobjekt ist, sondern wieder zur Lebensgrundlage wird. Land soll in den Händen derer liegen, die es bebauen, die dafür sorgen, dass es Leben hervorbringt: Teilen für Land in Frauenhand.Doris Gabriel ist geistliche Begleiterin für Frauen in Wien.
Ein gelungenes Experiment
„Frauen arbeiten erfolgreich, wenn sie nur eigenes Land besitzen. Das können wir der Gesellschaft in Nicaragua zeigen“, sagt Diana Martínez. Mit Hilfe aus Österreich konnten Frauen bereits Land kaufen. Was bedeutet es, Land zu besitzen? Martínez: Obwohl sie sich abrackern, gelingt es Frauen kaum, aus der Armut herauszukommen. Für eine Landarbeiterin ist es fast unmöglich, zu eigenem Land zu kommen. Für mich ist es das Schönste, zu sehen, wie schnell die Frauen lernen, mit der Landwirtschaft und dem Geld umzugehen. Zu erleben, wie sie sich bemühen, um ja die Kredite zeitgerecht zurückzuzahlen. Trotz Dürre und Überschwemmungen, die wir in den letzten Jahren erleiden mussten, konnten sie ihre Ernten einbringen und die Kredite bezahlen. Wir möchten, dass die von Österreich finanzierten Projekte der Gesellschaft unseres Landes als Entwicklungsmodelle mit Bäuerinnen dienen. Denn sie beweisen, dass Frauen effizient und produktiv arbeiten, wenn sie nur eigenes Land besitzen.
Noch profitieren wenige Frauen davon. Wie werden es mehr? Martínez: Das Geld, das die heutigen sieben Gruppen zurückzahlen, geht in einen Fonds. Dieser wird es ermöglichen, dass wieder andere Frauengruppen Land kaufen können. Unsere Vision ist eine regionale und später sogar nationale Vereinigung. Dann könnten wir in der Landwirtschaftspolitik mitreden. Wir werden zeigen, was wir Frauen aus dem Land machen können, das uns in der Vergangenheit vorenthalten wurde. Wir können zeigen, dass wir auf eigenen Beinen stehen können. Für die ersten Landkäufe benötigten wir jedoch ein Startkapital. Dazu hat uns die Katholische Frauenbewegung in Österreich verholfen.
Werdet Ihr damit vom Ausland abhängig? Martínez: Klar, zu Beginn brauchten wir diese Hilfe, da unsere Regierung keinerlei Interesse hat, eine solche Frauenarbeit zu unterstützen. Aber die Frauen von Nueva Alianza beispielsweise können bereits seit zwei Jahren eigenen Reis und Bohnen pflanzen, ohne auf Kredite von außen angewiesen zu sein.
Ist das nicht eine Einmischung von außen, wenn Frauen aus Österreich der Frauenbewegung in Nicaragua helfen? Martínez: Nein, wir sind den katholischen Frauen in Österreich und ihrer Frauenbewegung sehr dankbar, dass sie unsere Situation verstanden haben und uns in unserer Frauenarbeit unterstützen. Denn es gibt nur wenige internationale Organisationen, die die entscheidende Rolle des Landbesitzes verstanden haben und uns darin unterstützen. Interview: Elsbeth Horbaty/wa
Stichwort:
Familienfasttag Die Katholische Frauenbewegung lädt in der Fastenzeit ein, aus Solidarität mit benachteiligten Menschen einen persönlichen Verzicht zu leisten. Das ersparte Geld soll Projekten zur Frauenförderung in der „Dritten Welt“ zur Verfügung gestellt werden. 2001 wird damit speziell der Aufbau landwirtschaftlicher und gewerblicher Betriebe ermöglicht. Dadurch können Armut und Abhängigkeit überwunden werden. In allen Postämtern liegen Erlagscheine für das P.S.K.-Spendenkonto 1.250.000 auf.
Für alle Internet-Benutzer gibt es seit kurzem die Möglichkeit, sich über Spendeninitiativen in Österreich zu informieren und auch online zu spenden. Vorteil der Internet-Spende: Wer nicht schon bisher die Einzahlung von seinem Konto hat abbuchen lassen, um die Erlagscheingebühr zu sparen, muss auch im Internet fürs Spenden nichts zahlen.Voraussetzung. Wer den Dienst der P.S.K. nutzen will, muss sich zuerst unter www.bezahlen.at registrieren lassen. Anmeldeformular ausfüllen, ausdrucken und samt Kopie eines amtlichen Lichtbildausweises an die Postsparkasse schicken. Anmeldeformulare sollten auch in jedem Postamt erhältlich sein, das Kopieren des Führerscheines oder Reisepasses entfällt dabei. Der Dienst steht Kontoinhabern aller Geldinstitute zur Verfügung.Spendenvorgang. Nach der Information durch die P.S.K. per E-Mail über die erfolgreiche Registrierung steht der Spende per Mausklick nichts mehr im Wege. Einfach zu www.meinespende.at surfen, Hilfsorganisation aussuchen, die doppelte Sicherung (persönlich festgelegter Benutzername und Kennwort) eingeben, Spende einsetzen und die O. K.-Taste drücken. Als Nachweis gilt die Buchungszeile des Kontoauszuges. Einziger Nachteil: eine anonyme Spende ist per Internet nicht möglich. Laut Gerhard Flutka von der P.S.K. sind derzeit 50.000 Benutzer bei bezahlen.at registriert. wa