Die Anleitungen zum Wirtschaften von Anselm Grün können auch für „Nicht-Bäuerinnen und -Bauern“ Wegweiser sein.
Beinahe wäre der Festsaal der Landwirtschaftskammer für Oberösterreich zu klein geworden, so groß war der Andrang zum Vortrag von Pater Anselm Grün. Der Biobauern-Verband „Ernte für das Leben“ hatte den Geistlichen zur Jahreshauptversammlung am vergangenen Sonntag eingeladen. Anselm Grün sprach zum Thema „Spiritualität und Land-Wirtschaften – … die eigene Freude wiederfinden!“
Die Erde untertan
Anselm Grün erinnerte an die Schöpfungsgeschichte. Die Worte „Macht euch die Erde untertan“ heißen nicht, dass die Menschen die Welt beherrschen sollen. Sie sollten vielmehr sorgsam mit ihr umgehen. Bäuerinnen und Bauern sind für ihn besonders mit diesem Auftrag verbunden. Wie jemand (land-)wirtschaftet, ist aber Ausdruck davon, wie es in der Person selbst ausschaut. Viele haben seiner Ansicht nach den Blick für den sorgsamen Umgang sowie das „Hegen und Pflegen“ verloren und wollen immer mehr aus ihrer Wirtschaft herausholen.Die Regeln des heiligen Benedikt für seinen Orden sind für Anselm Grün Anleitung dafür, wie jemand gut wirtschaften kann. Anselm Grün selbst lebt in Münsterschwarzach in Deutschland in einer Klostergemeinschaft mit 80 Mitgliedern und ist dort Wirtschaftsleiter sowie Leiter eines Therapie-Zentrums. Der heilige Benedikt hat beschrieben, welche Eigenschaften ein guter Wirtschafter, ein „Cellerar“, haben soll:Der Wirtschafter soll weise sein. Das heißt für Anselm Grün, er muss mit sich selbst in Einklang leben. Er muss auch seine dunkle, aggressive Seite akzeptieren.Weiters dürfen Wirtschafter „keine Vielesser“ sein. „Wie wir mit dem Essen umgehen, so gehen wir auch mit Menschen um“, ist dafür die Interpretation von Anselm Grün. „Wer alles in sich hineinstopft, wird auch andere Menschen verschlingen und die Schöpfung ausbeuten“, davon ist er überzeugt. Maßlosigkeit ist Ausdruck einer Seele, die meint, sie sei zu kurz gekommen, und müsse deshalb den eigenen Mangel stopfen.
Wer hetzt, der hasst
Schlecht für Wirtschafter ist „aufgeregt sein“. „Das Wort hetzen kommt von hassen“, meint Anselm Grün dazu. Wer gehetzt ist, verdoppelt seine Anstrengungen, ohne ein Ziel zu haben. Das Ergebnis könne nicht positiv sein.Auch Demut würde vielen nicht schaden: „Der Mut, hinabzusteigen in die eigene Menschlichkeit“, wie Anselm Grün das formuliert. Wer dagegen hochmütig ist, weigere sich, die eigenen blinden Flecken zu sehen. Derjenige kann auch keine klaren Beziehungen zu anderen schaffen. 40 Prozent der Energie in Betrieben gehe durch diese „Gefühls-Umweltverschmutzung“ verloren, meint Anselm Grün.Wirtschafter müssten Dinge auch nüchtern sehen – so wie sie sind und nicht so, wie jemand sie gern haben möchte. Anselm Grün forderte auch auf, die Wirtschaft zu entschleunigen statt zu beschleunigen. Die Dinge sollten langsam und bewusst angegangen werden, dafür aber wirkungsvoll.
Langsam, aber wirkungsvoll
Überlastung ist für Anselm Grün eine spirituelle, also geistliche Frage. Wer überlastet ist, sollte sich fragen, wofür er eigentlich arbeitet. Viele Menschen arbeiten zu viel, weil sie damit unempfindlicher für Kritik werden oder weil sie Anerkennung suchen. Besser wäre es, gottesfürchtig zu sein. „Gottesfurcht befreit vor Menschenfurcht“, wie Pater Grün das formuliert. Gottesfürchtige Menschen haben keine Angst davor, was andere über sie denken. Sie lassen sich auch betreffen von Dingen. Wer keine Beziehung zur Schöpfung hat, kann auch nicht mit ihr arbeiten.
Rückgrat stärken
Menschen, die wirtschaften und führen, sollten auch sein wie ein „Vater“. Jemand, der das Rückgrat stärkt, den Rücken frei macht für die Arbeiten, der Menschen anspornt, auch einmal Fehler zu machen und etwas zu riskieren. „Führen heißt Leben herauslocken“, meint dazu Anselm Grün. Das gilt nicht nur für die Natur, sondern auch für Menschen.Pater Grün machte Mut, Quellen der Freude zu suchen. Menschen sind oft darauf fixiert zu betrachten, was sie gekränkt hat. Aus seiner Erfahrung aus dem Therapiezentrum für Priester und Ordensleute weiß er, dass der Umgang mit Erde und Tieren eine heilende Quelle sein kann.In der Diskussion sprach Anselm Grün auch die aktuellen Krisen in der Landwirtschaft an. Die Skandale haben für ihn auch einen positiven Sinn. Sie haben wach gerüttelt, damit wir sehen, dass es so nicht weitergeht. „Wir brauchen immer auch Mahner, die uns auf Grenzen hinweisen“, lautete seine Forderung an alle Christinnen und Christen.