„Lukas“ wird im heurigen Jahr Sonntag für Sonntag in den Kirchen gelesen. Mit seinen „Streifzügen durch das Lukasevangelium“ – so der Untertitel – weckt der Schweizer Bibeltheologe Hermann-Josef Venetz Sympathien für Lukas. Über das Lukasevangelium sollte man keine Bücher schreiben, meint der Autor zwar, man sollte es ganz einfach lesen. Wer das neue Venetz-Buch gelesen hat, wird das Lukasevange-lium mit anderen Augen sehen. Venetz zeichnet Lukas als einen Mann mit großem Verständnis für das Menschlich-Allzumenschliche. „Die ausgestreckte Hand passt besser zu ihm als der erhobene Zeigefinge.“ „Trotz dem tiefen Ernst ist das Spielerische und Schalkhafte nie ganz abwesend.“ Lukas verändert beispielsweise Texte, die ihm vorgelegen sind. Am Evangelium des kommenden Sonntags (Lk 6,39–45) wird es deutlich: Während bei Matthäus ausdrücklich von der rechten Wange die Rede ist, die geschlagen wird, lässt Lukas das Wort „rechte“ einfach aus. Wo Matthäus verkündete, drückte ein Schlag ins Gesicht, mit dem linken Handrücken auf die rechte Wange gezielt, besondere Verachtung aus. Wo Lukas lehrte, war diese Bedeutung nicht bekannt. Also lässt er das Wörtchen rechts einfach weg. An anderer Stelle fügt er hinzu. Bei Lukas sind nicht die Armen selig. Den Reichen ruft er – anders als wiederum Matthäus – ein „Wehe“ zu. Der Umgang mit dem Reichtum war in den Gemeinden des Lukas eben ein großes Problem.Venetz stellt mit diesem Buch nicht nur Lukas vor. Es ist zugleich ein Bibel-Lesekurs. Die Evangelisten von damals sind sehr stark auf die besondere Situation ihrer Leute eingegangen. „Warum sollte man das heutigen Theologen verbieten?“, fragt Venetz. Hermann-Josef Venetz, Der Evangelist des Alltags. Streifzüge durch das Lukasevanglium. Paulusverlag Freiburg, Schweiz 2000, S 239,–.
Nächster Papst
In die geheimnisvolle Welt des Konklave – der von der Außenwelt abgeschnittenen Versammlung der Kardinäle – entführt Heiner Boberski, Chefredakteur der „Furche“ mit seinem Buch. Historisches und Prophetisches zur Papstwahl kommen nicht zu kurz und Zukunftsprognosen werden gewagt! Heiner Boberski, Der nächste Papst, Otto Müller Verlag, S 278,–.