Statt Hoffen auf bessere Zeiten „Platz nehmen“ im Kulturbereich
Ausgabe: 2001/09, Kultur
27.02.2001
- Elisabeth Leitner
Der Frauenanteil an den österreichischen Kunstuniversitäten ist in den letzten 30 Jahren auf 54 Prozent gestiegen, doch Frauen „verschwinden“ nach der Ausbildung.
Folgendes Phänomen ist zu beobachten: Ein arbeitsloser Künstler ist ein arbeitsloser Künstler. Eine arbeitslose Künstlerin ist Hausfrau. Frauen sind im Vergleich zu Männern in allen Kunst-Sparten spärlich vertreten. „Je höher die Summe eines Preises ist, desto niedriger der Frauenanteil“, so beschreibt Elisabeth Vera Rathenböck von der Kulturplattform die Situation von Frauen. Schon 1997 wurde die Kunstszene in Oberösterreich auf die Präsenz von Frauen untersucht. Die Studie „Die Hälfte des Himmels“ aus dem Jahr 2000 beleuchtet die soziale Situation von Kunstschaffenden. Ergebnis: Zwei Drittel der Künstlerinnen haben ein monatliches Nettoeinkommen von unter S 20.000,–. Künstlerinnen verdienen durchschnittlich 20 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Frauen gelingt es weniger, sich in der Welt der Kunst so durchzusetzen, dass sie von ihrer künstlerischen Arbeit leben können. Die Gründe dafür sind vielschichtig.Der Verein „Fiftitu%“ hat nun die Idee geboren, eine Vernetzungsstelle für Frauen im Kulturbereich zu gründen. Bei einer Befragung meinten zwei von drei Künstlerinen, dass eine Vernetzungsstelle „sehr notwendig“ sei. Ebenso viele stimmten der Aussage zu, dass es männliche Künstler leichter haben, weil sie über bessere Netzwerke verfügen. Diese Vernetzungsstelle wäre damit für Künstlerinnen ein Schritt nach vorne. Zur Zeit ist der Verein „Fiftitu%“ noch auf der Suche nach Geldgebern, um der Vernetzungsstelle für Frauen Leben einzuhauchen.