Es war eine Frau, die das erste christliche Gebet auf Samoa sprach. Heute wird auf den Südsee-Inseln die Ökumene von Frauen getragen. Doch sie leben im Spannungsfeld von Tradition und moderner Welt.
„Wir Frauen leben geschützt in einer Großfamilie, aber Freiheit haben wir auch wenig“, meint Lydia Hazelman. Die Vertreterin der „ökumenischen Frauengemeinschaft“ von Samoa schildert die Vor- und Nachteile der streng hierarchischen Ordnung, die bis heute das Leben des Inselstaates im Pazifik bestimmt. Denn das Sagen haben hier die rund 25.000 Matais, wie das Oberhaupt der bis zu 300 Mitglieder zählenden Großfamilien genannt wird. Und ihnen gilt es, absoluten Gehorsam zu leisten. Zwar hat ein Matai die Pflicht, für das Wohl der Familie zu sorgen, „doch er trifft alle Entscheidungen“, erklärt Johanna Eisner, die den Weltgebetstag der Frauen heuer in Österreich inhaltlich vorbereitet hat.
Auswandern als Chance
Auf Samoa besteht zwar keine Schulpflicht, die sechsjährige Grundschule aber besuchen fast alle Kinder. „Doch es sind nicht gerade die Mädchen, die von den Familien – mit bis zu 15 Kindern – zur weiteren Ausbildung geschickt werden“, sagt Eisner. „Selbst wenn eine junge Frau eine Arbeit findet in Apia, der Hauptstadt, verfügt sie nicht über ihr Einkommen. Wie sie jedes Wochenende in die Großfamilie zurückkehrt, so hat sie auch den Lohn ihrem Matai abzuliefern.“Immer mehr junge Menschen wehren sich gegen dieses „System der alten Männer“, wie es Johanna Eisner bezeichnet. „Sie wollen nicht mehr länger, dass ihnen jemand vorgibt, wie ihr Leben zu verlaufen hat.“ Die hohe Geburtenrate sowie geringe Ausbildungs- und Berufschancen führen zur Landflucht vom Inselstaat. Sie suchen ihre Zukunft in Neuseeland, Australien oder gar in den USA. Rund 150.000 Samoanerinnen und Samoaner leben heute in diesen Ländern, fast so viele wie im Südseestaat von der Größe Vorarlbergs. Auch wer fern der Heimat lebt, bleibt in Kontakt zur Großfamilie. Und regelmäßige Zahlungen an den Matai sichern den Platz im Familienverband.„Doch es sind nicht nur wirtschaftliche Gründe, warum viele Samoa verlassen“, meint Johanna Eisner. „Sie sehen darin auch die Chance, der streng hierarchischen Ordnung zu entkommen. Das viel Erschreckendere jedoch ist, dass viele junge Menschen in der Starrheit des gesellschaftlichen Systems keine Zukunft sehen. Das Südseeparadies zählt zu den Ländern mit der höchsten Selbstmordrate.“
Tägliches Abendgebet
Die Matai-Ordnung war auch der Grund, weshalb ab 1830 in nur 30 Jahren alle Insulaner Christen wurden. Ursprüngliche religiöse Bräuche wurden dabei ins Christentum übernommen, wie die allabendliche Familienandacht. Wenn es dämmert, ertönt in allen 320 Dörfern die Trompetenschnecke, und es versammelt sich im Gästehaus des Matais die Großfamilie zum Gebet. Und die Wächter achten, dass niemand gegen das Gebot verstößt.
Interview
mit Johanna Eisner aus Steyr, Vizepräsidentin des Komitees für den Weltgebetstag der Frauen in Österreich
Trotz allem: Ökumene leben
Sie sagen, der Weltgebetstag der Frauen hängt vom ökumenischen Klima ab. Hat sich dieses verändert? Eisner: In Zusammenhang mit dem vatikanischen Dokument „Dominus Iesus“ und der Diskussion um den Trauergottesdienst im Salzburger Dom wurden jene wieder gestärkt, die von Ökumene nichts wissen wollen. Das gilt aber nicht nur für die römisch-katholische Kirche.
Macht sich das beim Gebetstag der Frauen bemerkbar? Eisner: Es gibt nach wie vor Gemeinden, in denen die Frauen für den Weltgebetstag nicht die Kirche benützen dürfen. Diese ökumenische Bewegung wurde oft mit der Frage konfrontiert: Ist das überhaupt erlaubt, dass sich Frauen unterschiedlicher Kirchen öffentlich zum Gebet treffen?
Wird das neu in Frage gestellt? Eisner: Wo Ökumene etabliert ist, gibt es keine Probleme. Aber wo man noch nicht so 100-prozentig von der Notwendigkeit überzeugt ist, ist es schon schwierig – besonders wegen der Kombination von Ökumene und Frauen.
Haben sich auch Frauen verunsichern lassen? Eisner: Ich glaube schon. In der Vorbereitung zum Weltgebetstag bin ich bei den Informationsveranstaltungen fast immer gefragt worden: Ja, sollen wir wirklich mit den Evangelischen beten? Aber wir Frauen in den Kirchen sagen trotz allem: lebt die Ökumene!