In der Türkei steht der assyrische Pfarrer Yusuf Akbulut vor Gericht. Ihm droht eine Gefängnisstrafe bis zu drei Jahren, weil er gegenüber Journalisten auf die Tatsache des Völkermordes an armenischen und assyrischen Christen während des Ersten Weltkrieges (1915) hingewiesen hat. Der Prozess wurde vergangene Woche auf Anfang April vertagt, weil die Anklage ein angeblich vorhandenes Videoband von dem Interview nicht beibringen konnte. Unter der Schlagzeile „Ein Verräter unter uns“ hat die nationalistische Zeitung „Hürriyet“ am 4. Oktober ein Interview mit Pfarrer Akbulut veröffentlicht. Darin wird der Geistliche mit den Sätzen zitiert: „Nicht nur die Armenier, auch die Assyrer waren damals dem Völkermord ausgesetzt mit der Begründung, sie seien Christen. Die Assyrer (Apostolische Kirche des Ostens) wurden in Scharen ermordet.“ In einer Stellungnahme zu diesem Prozess weist die „Gesellschaft für bedrohte Völker“ in Göttingen darauf hin, dass durch Vernichtung, Vertreibung und anhaltende Unterdrückung im vergangenen Jahrhundert die Zahl der Christen auf türkischem Staatsgebiet von 33 auf 0,5 Prozent der Bevölkerung zurückgegangen ist. Dem Völkermord an den Armeniern setzt der österreichische Dichter Franz Werfel ein „Denkmal“ (… Musa Dag).