P. Felix Gradl, Franziskaner aus Innsbruck, lehrt Erstes Testament an der Religionspäd. Akademie der Diözese Innsbrck in Stams.
Ein verlockendes Angebot: Aus wertlosen Steinen der Wüste soll Brot werden. Wer das könnte, hätte ausgesorgt für sein Leben. Dagegen nehmen sich ein Lottosechser und das Knacken eines Jackpots geradezu mickrig aus. Obwohl … ?! Das wäre der Stoff, aus dem die Träume sind. Endlich könnte man sich seine Wünsche erfüllen und brauchte nicht mehr am Kleinkram des Alltags zu kleben. So beginnen die berechtigten kleinen Wünsche, die, eh man sich versieht, von ihren Kindern aufgefressen werden. „Mehr“ heißt die Devise. Mehr können, mehr haben, mehr sein (oder gar alles …) ist die Droge, die die Menschen immer schon in Rausch und Ekstase versetzt hat.
Nicht umsonst steht am Beginn des Wirkens Jesu die Geschichte von der Versuchung. Sie formuliert in aller Dichte, knapp und kurz, Erfahrungen seines eigenen Lebens und seiner Gemeinschaft. Die Thematik von Macht und Reichtum durchzieht die Evangelien wie ein roter Faden, wobei das Lukasevangelium in dieser Richtung eine besondere Sensibilität an den Tag legt. Diese „Episode“ in der Wüste geht weit über den unmittelbaren Horizont hinaus. Im Grunde spiegelt sich in ihr die Verführungsgeschichte der Menschen wider. Jesus wusste um die Gefährlichkeit der Macht und der Machbarkeit. Er wusste um die Unmenschlichkeit und das Elend in ihrem Gefolge. Die Versuchung zur Macht, der die Kirche selbst oft genug unterlegen ist und immer noch unterliegt, steht als großes Menetekel dem Angebot der Gottesherrschaft gegenüber. Das entschiedene Nein Jesu in der Versuchung öffnet den Weg zur Freiheit der Kinder Gottes.
Damit steht Jesus auf der Linie derer, die wissen, ihr Leben nicht sich selber, sondern dem befreienden Gott zu verdanken. So bekennt es der glaubende Israelit, wenn er zum Heiligtum kommt, um die ersten Früchte seines Ertrages zu bringen (1. Lesung). Er weiß, wie sehr man sich um die Früchte des Landes mühen muss. Er weiß aber auch, dass Land und Frucht letztlich ein Geschenk seines Gottes sind. Deswegen verzehrt er sie am Tempel. Und die Armen des Landes sollen auch davon haben und fröhlich sein. Und er und sie denken daran, dass sie alle von Gott befreit sind, dass Gott sie in das Land geführt, „das von Milch und Honig fließt“.
Heute überlegt man, Rinder in Millionenhöhe zu schlachten, um den Marktpreis aufrechtzuerhalten. Der wirtschaftliche Mechanismus ließe keine andere Lösung zu, lautet die arrogante Begründung. Nur ein Skandal von den vielen, die wir nicht kennen. So macht man heute aus Steinen „Brot“, aber die Armen (ver-)hungern noch immer. Umdenken tut Not, nicht nur weil Fastenzeit ist.