Für ihre „Dritte Welt“-Aktion Familienfasttag geht die Katholische Frauenbewegung einen neuen Weg: Werbung für das Teilen im Fernsehen. Und engagierte Produzenten zeigen, wie das geht.
Keine Panik, Ihr Fernseher ist nicht kaputt. Aber vielleicht werden Sie in den nächsten Tagen kurz zusammenzucken, wenn Sie während des bunten Werbefernsehens plötzlich einen schwarzen Bildschirm sehen. Danielle Proskar, Regisseurin dieser Werbeeinschaltung, will damit Aufmerksamkeit erregen. Jetzt kommt etwas, das in der Werbung bisher kaum Platz hatte. Kein Produkt wird beworben, keine Dienstleistung angepriesen.
Neue Lebensdynamik
Dieser Spot wirbt um die Solidarität der Zuseher mit Frauen in der „Dritten Welt“. 30 Sekunden, die zeigen, dass Teilen – solidarisches Handeln – Dunkelheit und starre Rollenbilder überwinden und neue Lebensdynamik schaffen kann.Auftraggeberin des ungewöhnlichen Beitrags im Werbefernsehen ist die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö). Seit 1958 führt sie jährlich in der Fastenzeit die Aktion Familienfasttag durch, zur Förderung von Projekten für benachteiligte Frauen in der „Dritten Welt“. In fast allen katholischen Pfarren Österreichs ist diese Aktion fest verankert. Die kfbö hat sich aber entschlossen, mit den Mitteln moderner Werbung die Kirchenmauern zu überwinden. So wurde im Vorjahr erstmals mit dem Kabarettisten Josef Hader und der Schauspielerin Gabriele Schuchter eine Werbekampagne im Radio gestartet.
Honorare und Kosten sparen
Eine Fernsehwerbung schien vorerst unfinanzierbar. Kurt Bergmann, verantwortlich für soziale Aktionen im ORF, ermöglichte aber die kostenlose Ausstrahlung von Spots für die Aktion Familienfasttag in Hörfunk und Fernsehen. So wagte sich die kfbö an die Produktion eines TV-Spots heran.In Gerhard Hierzer, einem erfahrenen Kameramann, der mit einer kfb-Mitarbeiterin verheiratet ist, fand sie einen engagierten Partner. Er gewann seine langjährige Assistentin Danielle Proskar und den Produzenten Fritz Siedl aus Klosterneuburg für dieses Projekt, das nicht nach üblichen kommerziellen Gepflogenheiten, sondern zu niedrigsten Kosten kalkuliert wurde. Danielle Proskar, die für mehrere Kurzfilme bereits ausgezeichnet wurde, erstellte eine Kombination aus Trickfilm und realen Bildern. Um Kosten zu sparen, wurde keine teure Aufnahmehalle angemietet, sondern Anfang Februar auf dem ehemaligen Flughafen in Aspern bei Wien gedreht.
Frauensolidarität spürbar
In dem kleinen Holzhaus am Rande der ehemaligen Landebahn wartet eine bunte Frauenschar geduldig auf ihren Einsatz. In Österreich lebende Studentinnen aus der „Dritten Welt“, deren Studium aus Mitteln der Aktion Familienfasttag finanziert wird, sind auch dabei. Die Regisseurin erklärt den Frauen ihr Anliegen. Sie beschreibt ein Frauenförderungsprojekt. Eine Darstellerin erzählt, wie in ihrer Gemeinde alljährlich die Aktion Familienfasttag durchgeführt wird. Voll motiviert wartet die Gruppe geduldig auf die ersten Sonnenstrahlen. Wie durch ein Wunder verziehen sich die letzten Nebelwolken. Ein Föhneinbruch ermöglicht strahlenden Sonnenschein und fast 15 Grad Wärme. Da lassen die Frauen gerne die Mäntel fallen und zeigen sich in der Pracht ihrer Landeskleidung.
Zeigen Sie Energie
„Meine Damen, gehen Sie gerade. Strahlen Sie Selbstbewusstsein und Lebensfreude aus. Zeigen Sie Energie.“ Mit dieser Regieanweisung formuliert Danielle Proskar das Ziel. Jeder Druck auf die Tränendrüse, jedes Heischen um Almosen sollte vermieden werden. Gerhard Hierzer blickt konzentriert durch die Kamera. Immer neu ordnet er die Frauenkette, um ein möglichst buntes, dynamisches Bild zu bekommen. Die Umrisse seiner Bilder sind die Basis für die Arbeit des Trickfilmzeichners Ferry Unger. Eine Woche arbeitet er, um mit einfachen Linien zu zeigen, was Teilen aus einer schwarzen Fläche machen kann.
Im Tonstudio nehmen Doris Glaser und Franz Robert Wagner, vertraute ORF-Stimmen, den von Georg Zitta verfassten Text auf. Der Filmkomponist Paul Hertel bemüht sich, musikalisch Spannung und multikulturelle Stimmung zu erzielen. Gemeinsam mit Cutter Rudi Magyar wird schließlich in mühevoller Arbeit alles zum 30-Sekunden-Spot zusammengefügt. Jetzt muss das Publikum zeigen, ob die Botschaft „Teilen macht mehr daraus!“ ankommt.