Steinig, heiß, lebensbedrohlich – so erleben Menschen seit Jahrtausenden die Wüste. Bei ihrem Auszug aus den Arbeitslagern Ägyptens spüren auch die Israeliten die scheinbare Gnadenlosigkeit dieser Gegend. Inmitten der Dürre wünschen sich nicht wenige in die Unfreiheit und an die vollen Fleischtöpfe Ägyptens zurück. Propheten wie Jeremia und Ezechiel verwenden die Wüste gar als Mahnbild – blühende Städte können durch Fehlverhalten zur „Wüste“ werden. Die Wüste gilt zudem als Ort der „unreinen Geister“.Andererseits bietet die Wüste durch ihre Extrembedingungen Schutz. So flieht der Prophet Elija in die Wüste, als sein Leben von König Ahab und dessen Frau Isebel bedroht wird, ebenso versteckt sich David vor den Mordanschlägen Sauls an diesem unwirtlichen Ort. Im Johannesevangelium wird erzählt, dass Jesus mit seinen Jüngern in die Nähe der Wüste flieht, um Schutz vor Verfolgung und Ermordung zu finden. Von hier aus bricht er mit seiner Gruppe zu seiner letzten Reise nach Jerusalem auf.
So sehr die Wüste ein Ort der Extreme ist, so sehr ist sie auch ein Ort besonderer Erfahrungen. Die Israeliten lernen hier ihren Gott kennen! Gerade in der Wüste – in der Verlassenheit, dort, wo es „steinig“ ist und Leben bedroht wird, in dürren Zeiten – erleben sie, dass Gott wirklich da ist, stärkt („Manna“), Orientierung schenkt („10 Gebote“) und Zukunft eröffnet (Gott geht voran …). Der Prophet Elija erfährt in der Wüste – an dem Punkt, wo seine Kräfte versiegen und der Lebenswille verdunstet – Gottes belebende Nähe. Immer wieder zieht es Menschen in die Wüste, um abseits von Lärm und Geschäftigkeit Gott zu suchen. Johannes der Täufer gehört zu diesen Suchern, Jesus begibt sich ebenfalls zu bestimmten Zeiten in dieses Gebiet. All diese Wüstenerfahrungen haben für uns Menschen heute eine große Bedeutung, denn: Auch wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns in „dürren“ und „steinigen“ Zeiten nahe bleibt und leben hilft – so wie den Frauen und Männern damals! Ebenso vermag die Sehnsucht derer, die einst suchend in die Wüste gegangen sind, heute noch Menschen „anzustecken“, so dass sie sich auf den eigenen Weg machen, um Gott zu suchen – in der Stille, im Alltag, im persönlichen Leben.