Die Premiere von „Das Jahrhundert der Frauen“ ist zu Ende. Alle gehen nach Hause. Er schläft vor dem Fernseher ein. Sie sitzt strickend in der Küche. „Das war ein schönes Stück“, seufzt sie. War ´s das?
Die Prognosen für die Zukunft sind, was die Sache der Frauen betrifft, sicher nicht so düster, aber die Frage bleibt: Was hat das Jahrhundert der Frauen für Frauen und Männer gebracht? Was fällt Ihnen als erstes ein? Dass Frauen viel erreicht haben, sei einmal gesagt. Dass noch viel zu tun ist, ebenso. Wenn rund um den Internationalen Frauentag Erungenschaften für Frauen in Erinnerung gerufen werden, zeigt dies einmal mehr, dass Frauenrechte nicht vom Himmel gefallen sind, sondern unter Einsatz des eigenen Lebens erkämpft wurden. 1918 stand das Frauenwahlrecht im Mittelpunkt des Internationalen Frauentags (8. März), in der Zwischenkriegszeit waren es Existenzprobleme: Senkung der Lebensmittelpreise, Schulausspeisung und „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. Dass letzteres auch heute noch nicht verwirklicht ist und die Einkommensschere bei Männern und Frauen um bis zu 30 Prozent auseinandergeht, macht deutlich, wie schwierig es ist, Frauenanliegen durchzubringen. „Das ist eine fundamentale Ungerechtigkeit, das sieht kein Mensch ein, dass es so ist“, meint Eva Leitgeb, Mitarbeiterin im „Haus der Frau“ in Linz (siehe auch Interviewkasten). Ein Blick auf die Arbeitssituation in der Diözese zeigt: 26 Prozent der Frauen verdienen bis zu S 12.000, nur 5,9 Prozent der Männer zählen zu dieser Einkommensschicht. Der Frauenanteil bei mittleren Einkommen beträgt noch 30 Prozent, in der höchsten Kategorie liegt er unter 4 Prozent. Während junge Frauen die Früchte der Emanzipation genießen und neue Männer vereinzelt im Kommen sind, wird eine neue Entwicklung spürbar. Bevor von Gleichbehandlung von Frauen in Politik, Kirche und Gesellschaft überhaupt die Rede sein kann, wird die Förderung von Frauen als „Ungleichbehandlung von Männern“ disqualifiziert. Vergessen wird, dass Frauen der Eintritt auf die Bühnen der Männerwelt lange Zeit verwehrt war und die Plätze in den vordersten Reihen noch immer für Männer reserviert sind. Nur ein Beispiel: im Jahr 1998 haben 8.541 Männer und 7.248 Frauen einen Studienabschluss gemacht, im selben Jahr waren 2001 Hochschulprofessoren an den Unis tätig, 1.847 davon waren Männer, 154 Frauen. Frauenförderung bedeutet hier, die Chance zum Aufholen zu bekommen. Wenn Frauen sogar bei einem Traditionsunternehmen wie den „Wiener Philharmonikern“ erstmals mitgeigen dürfen, ist zu hoffen, dass sich noch vieles ändert. Nicht nur in Spitzenpositionen, sondern auch dort, wo das Leben von Männern und Frauen organisiert wird. Im Alltag. Weichenstellungen dafür muss die Politik weiterhin treffen: durch Frauenförderung, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, eigenen Pensionsanspruch für Frauen und ... und ...
Es ist viel Bewußtseinsarbeit geschehen, wichtig ist, dass Frauen eine gute Ausbildung haben, damit sie ihre Selbständigkeit erhalten können und nicht von irgendwelchen Ernährern abhängig sind. Das Wichtigste ist, dass es für gleiche Arbeit gleichen Lohn gibt!
Eva Leitgeb aus Linz ist verheiratet und Mitarbeiterin im Haus der Frau.
In den letzten Jahren wurden rechtliche und gesellschaftliche Umstände geschaffen, damit Frauen gleich behandelt sind. Aber aufgrund von eingelernten Verhaltensweisen auf beiden Seiten zeigt sich, dass es weitgehend bei kosmetischen Korrekturen geblieben ist. Dass Männer in Karenz gehen, ist nur bei 2 % der Fall.
Wolfgang Maresch arbeitet bei der VA Tech in Linz.
Solange selbstbewusste und durchsetzungsfähige Frauen als „Emanzen“ beschimpft werden (...) und in der Kath. Kirche über die Fähigkeit von Frauen, das Weiheamt zu erlangen diskutiert werden muss, gibt es genug zu tun für Frauenbeauftragte und eine parteiliche Geschlechterpolitik, die Gerechtigkeit für Frauen bezüglich Geld und Lebenschancen zum Ziel hat.
Monika Heilmann ist Jungscharseelsorgerin und lebt in Traun.