Die Familienhilfe der Caritas ist fünfzig Jahre jung
Ausgabe: 2001/10, Caritas, Familienhilfe, Mutter
06.03.2001
- Ernst Gansinger
Eine typische Situation: Unvorhergesehen fällt die Mutter aus. Der Vater mit den drei Kindern kann nicht so lange von der Arbeit wegbleiben, wie es nötig wäre! Seit 50 Jahren hat die Caritas die maßgeschneiderte Antwort: Die Familienhilfe! Wenn Mama bald wieder daheim ist, eine ideale Hilfe für den kurzfristigen Engpass. Bei Schicksalsschlägen bedeutet die Familienhilfe Zeitgewinn, um wieder Fuß zu fassen.
Die Caritas Familienhilfe wurde vor fünfzig Jahren gegründet. Gleich geblieben ist die Zielsetzung: Müttern, auch Vätern, in schwierigen Situationen bei der Erfüllung von Betreuungspflichten zu helfen.
Im Jänner 1951 kamen die ersten zwei Familienhelferinnen in unserer Diözese zum Einsatz. Sie wurden damals noch in Holland ausgebildet. Der Diözesanpriester Ernst Rafferzeder brachte als Caritassekretär die Idee aus Holland mit. Bald wurden Familienhelferinnen von der Diözesan-Caritas selbst ausgebildet. Bis zum heutigen Tag gab es 42 Kurse mit insgesamt 643 Absolventinnen. Die Kurse dauerten zunächst neun Monate, wurden 1970 einjährig und fünf Jahre später zweijährig. Ab 1996 musste eine angehende Familienhelferin im Caritas-Ausbildungszentrum für Sozialberufe fünf Semester Theorie und Praxis lernen; seit einem Jahr sind es sechs Semester, also drei Jahre.
Wenn die Mutter krank ist
Die erziehende Mutter oder der erziehende Vater erkrankt für längere Zeit. Damit fällt die Betreuungsperson für die Kinder aus. Die Familienhelferin springt ein. Oder der umgekehrte Fall: Ein Kind wird länger krank. Die alleinerziehende Mutter kann nicht die erforderliche Zeit beim Kind zu Hause bleiben. Auch ein typischer Fall für den Einsatz einer Familienhelferin... „In der Familienhilfe haben wir die gesellschaftlichen Veränderungen sehr deutlich gemerkt“, sagt Elisabeth Armbrust, Abteilungsleiterin der Caritas-Familienhilfe mit 24 regionalen Stellen. Früher war die Haushaltsführung viel deutlicher im Vordergrund bei den Einsätzen einer Familienhelferin. Heute sind Kinder-Betreuung und Erziehung die Hauptaufgaben. Auch das Gespräch in der Familie ist wichtiger geworden – die Familienhelferin hat die Rolle einer Beraterin. Sie muss aktiv zuhören und erschöpften Eltern Tipps geben können. „Ich habe Sorge, dass der Dienst in der Familie zu wenig beachtet wird“, sagt Dir. Hedwig Meisinger, die lange Jahre Leiterin der Caritas-Fachschule und der Familienhilfe war. Diesen Dienst bietet die Kirche an. Dahinter steht keine andere Lobby. Ein Dienst, der es Kindern ermöglicht, auch in Notsituationen im vertrauten Milieu zu bleiben. „Sagt mir einen Beruf, in dem ich soviel Anerkennung bekomme wie als Familienhelferin“, ist daher zu Recht der Ausspruch einer Familienhelferin.
STICHWORT
Familienhilfe
Die Caritas bietet Kurzzeit- und Langzeithilfe an. Letztere kann bis zu zwei Jahren dauern. Insgesamt 80 Familienhelferinnen sind im Einsatz. Das Land OÖ trägt die Personalkosten der Einsätze. Wer eine Familienhelferin braucht, wendet sich an die regionalen Einsatzstellen. Die Gemeinden geben Auskunft. Die Familien leisten je nach Einkommen gestaffelte Kosten-Beiträge.
8. März, 18 bis 19.30 Uhr, Kundencenter der HYPO-Bank Linz, Mozartkreuzung, Eingang Rudigierstraße, „Erzählcafe – Rückblick-Einblick-Ausblick“.
9. März, 14 bis 18 Uhr, Tag der offenen Tür in der Zentrale der Familienhilfe, Hafnerstraße 28, Linz. Schon ab 9 Uhr, Tag der offenen Tür im Ausbildungszentrum für Sozialberufe, Linz-Urfahr, Schiefersederweg 53. Ende 16 Uhr.
In den Regionen gibt es im Laufe des Jahres verschiedene Veranstaltungen; die erste beim Lernfest in Schlierbach. Die große Schlussveranstaltung ist am 27./28. September in Linz.