Die Toleranz unter den Religionen steht auf dem Prüfstand
Ausgabe: 2001/10, Moschee, Wild, Traun, Muslime
06.03.2001
- Josef Wallner
Seit Monaten gibt es in Traun Spannungen um den für 14. März verordneten Abbruch einer Moschee. Wie immer die Sache ausgeht, man wird vor Trümmern stehen. In Schärding haben die Muslime von der Errichtung einer Gebetsstätte Abstand genommen – um des Friedens willen. Da lässt eine Initiative aus Graz aufhorchen: „In Europa muss eine neue Qualität im Umgang mit religiösen und kulturellen Minderheiten entwickelt werden“, meint Dr. Karl Kumpfmüller vom Friedensbüro Graz. 2003 wird die Murstadt Europas Kulturhauptstadt sein. Zusammen mit der Diözese Graz plant man jetzt eine große Europäische Religionskonferenz. Die praktischen Probleme eines respektvollen Umgangs unter den Religionen sollen offen auf den Tisch kommen. Durch Kriege im früheren Jugoslawien, aber auch durch vordergründige Ausländerhetze in Österreich, ist Vertrauen zerstört worden. Höchste Zeit für den Dialog, und mag er noch so schwierig sein.
„Berührt, aber ratlos“
Traun: Pfarrer Franz Wild über die Auseinandersetzung um die Moschee
„Unabhängig vom Konflikt um die Moschee müssen wir Wege für ein Miteinander finden“, meint der Trauner Pfarrer Franz Wild: „Probleme des Zusamenlebens werden sich nicht von selbst lösen.“
Die Analyse, die Pfarrer Franz Wild von der Situation in Traun gibt, ist ernüchternd: Die Fronten im Streit um die Moschee sind verhärtet und viele Menschen haben ein Bild von den muslimischen Mitbürgern, das von Angst geprägt ist. „Wir haben es alle miteinander nicht geschafft – inklusive der Pfarre – Berührungs- und Begegnungspunkte zu initiieren.“
Dennoch ist die Pfarre nicht untätig. In den Anfangszeiten der islamischen Gemeinde in Traun befand sich die Moschee sogar in einem Kellerraum des Pfarrzentrums. Und wann immer ein größerer Saal gebraucht wird, klopft die Leitung der Moschee an die Pfarrsaaltür. Zwischen den Frauen kommt es sogar zu regelmäßigen Treffen. Seit Jänner 2000 treffen sich muslimische Frauen und Frauen aus der Pfarre regelmäßig alle vier bis sechs Wochen. Berührungsängste und Vorurteile abzubauen ist das Ziel. Bei der jüngsten Zusammenkunft im Jänner 2001 erzählte man einander von Weihnachten und vom Fastenmonat Ramadan.
Pfarrer Wild verbirgt nicht, was ihn stutzig macht: Die Muslime spüren manchmal nicht, dass ihr Verhalten provokant ist und erwarten dafür volle Akzeptanz. Der Seelsorger denkt dabei unter anderem an die mangelnde Bereitschaft Deutsch zu lernen. Zur Zeit herrsche ein „verdächtigendes Nebeneinander“, so Wild. Er sei betroffen, aber ratlos. Er möchte alle besonnenen Kräfte Trauns aufrufen, sich für ein Miteinander einzusetzen. Es dürfe nicht beim Rückzug auf formale Positionen bleiben.
Tagebuch eines Konflikts
Beziehungs-Trümmer
Nimmt das Geschehen keine überraschende Wende, wird man am 14. März 2001 in der Trauner Bahnhofsstraße vor einem Trümmerhaufen stehen. Baumaschinen werden die Moschee niederreißen. „Aus feuer- und sicherheitspolizeilichen Gründen“, wie der Trauner SP-Bürgermeister Dr. Peter Schlögl erklärt: „Es wurde konsenslos gebaut“. Seit beinahe drei Jahren sorgt die Moschee in der Trauner Bahnhofstraße für Auseinandersetzungen. Der Räumungsbescheid in 3. Instanz scheint diesmal endgültig zu sein. Den Konflikt wertet das Stadtoberhaupt als einen Privatkrieg Günther A. Rusznaks, des Sprechers der Moschee, gegen ihn. Der Trauner Rusznak – er trat vor sechs Jahren zum Islam über – sieht das anders. Die Moschee sei durch eine Aussendung der FPÖ zum Streitthema geworden – seit sich die Moschee Mitte 1998 im Stadtzentrum von Traun ansiedelte. „Als wir noch außer Sichtweite waren, gab es keine Probleme“, so Rusznak: Die Bauordnung werde schikanös ausgelegt. „Jeder von uns will ein gepflegtes Zusammenleben“. Traun zählt rund 25.000 Einwohner und hat einen Ausländeranteil von 17 Prozent, rund zehn Prozent davon sind Moslems. In wenig exponierter Lage besteht eine zweite Moschee, die nicht in den Streit verwickelt ist.