Die umstrittene Männerabteilung könnte eine Chance sein
Ausgabe: 2001/11, Männer, Männerabteilung,
13.03.2001
- Hans Baumgartner
Mehr als je zuvor sind Männer heute auf der Suche nach einer Orientierung für ihr Leben. Deshalb sieht Markus Hofer die umstrittene Männerabteilung im Generationenministerium als eine Chance.
Er könne die laute Empörung und das Misstrauen gegenüber der neu errichteten Männerabteilung im Generationenministerium nicht verstehen, meint Markus Hofer. Für den Leiter des Männerbüros der Diözese Feldkirch ist diese Stelle nicht deshalb notwendig, weil „die Männer so arm und diskriminiert wären – obwohl auch solches vorkommt –, sondern weil es Männer gibt. Und diese Männer haben Anliegen, Bedürfnisse und Probleme, die ernst genommen werden sollten.“ Da könnte die neue Abteilung einiges bewirken, meint Hofer – indem sie Einrichtungen, die in der Männerbildung oder Männerberatung tätig sind, unterstützt, wichtige Themen, wie etwa die Väter-Karenz, öffentlich zur Sprache bringt, oder manche Entwicklungen und Konfliktfelder näher durchleuchtet. Hofer wertet es als positiv, dass der neue Abteilungsleiter, Johannes Berchtold, von sich aus Kontakt zu Männereinrichtungen aufnimmt und sich über deren Arbeit und Anliegen informiert. „Ich bin über diese angebotene Zusammenarbeit froh“, betont Hofer. „Wir werden der Männerabteilung aber auch auf die Finger schauen, was sie tut. Denn eines brauchen wir sicher nicht, eine Politik, die sich gegen die Frauen und deren Streben nach Gleichberechtigung richtet.“
Männer unter Druck
Auch wenn Männer immer noch mehr verdienen als Frauen, mehr Macht und mehr gute Jobs sowie mehr Einfluss im öffentlichen Leben haben, so heiße das nicht, dass sie nicht auch Probleme hätten, meint Markus Hofer. Er finde es zynisch, wenn manche Frauenpolitikerinnen diese Nöte als „kleine Wehwehchen“ abtun. Viele Männer leiden darunter, dass sie die steigenden beruflichen Anforderungen so beanspruchen, dass sie zu wenig Zeit und Kraft haben, das zu tun, was ihnen nach allen Umfragen am wichtigsten ist, die Pflege der Partnerschaft und des Familienlebens. Alarmierend ist für Hofer auch, dass nach einer deutschen Studie nur 30 Prozent der Männer wirkliche Freunde haben. Der steigende wirtschaftliche Druck scheine immer mehr Männer in die Beziehungsarmut zu treiben. „Wenn wir wollen, dass sich Männer stärker in der Familien- und Beziehungsarbeit engagieren, was für Mütter, Kinder und Väter nur gut wäre, dann müssen wir auch in der Wirtschaft dafür mehr Bewusstsein schaffen. Wenn heute ein Mann sein Auto in der Werkstatt bringen muss, bekommt er die Zeit, wenn er sein Kind zum Zahnarzt bringen sollte, wird er blöd angeredet“, kritisiert Hofer.
Eine weitere Schwierigkeit sieht Hofer auch darin, dass Männer mit ihren Problemen nicht herausrücken nach dem Motto „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“. Nach wie vor hätten viele große Hemmungen, zu einer Beratung zu gehen. Der starke Zuwachs bei Männerberatungsstellen zeige allerdings, dass mit entsprechenden „geschützten“ Angeboten die Hemmschwellen sinken. Dass Männerberatungsstellen oft öffentliches Geld nur für die „Gewaltberatung“ bekommen, bedauert Hofer. Das sei ein wichtiges Problem, aber es gebe auch viele andere – Notlagen nach Scheidungen, Schulden, Überforderung, Selbstmordgefährdung …
Zur Sache:
Es ist viel in Bewegung
Nach einer Studie von Paul Michael Zulehner (1994) tendieren 36 Prozent der Männer zu einem „traditionellen“ Männerbild (Familienerhalter, Arbeit ist sein Lebenssinn, er schafft an, er ergreift in der Begegnung mit Frauen die Initiative); 13 Prozent haben davon deutlich abweichende Vorstellungen (der „neue Mann“), 51 Prozent der Männer liegen dazwischen. Der Leiter des Männerbüros der Diözese Feldkirch, Markus Hofer, meint, dass sich diese „Rollen“-Aufteilung in den letzten Jahren doch merklich verschoben hat. „In den fünf Jahren, seit ich in der Männerarbeit tätig bin, stelle ich fest, dass viel in Bewegung gekommen ist. Ich merke aber auch, dass viele Männer zwar ihre Einstellung – etwa zur partnerschaftlichen Aufteilung von Familien- und Erwerbsarbeit – geändert haben, aber in der Verwirklichung an den herrschenden Bedingungen scheitern.“ Viele Männer seien verunsichert – auch durch die Frauenemanzipation, meint Hofer. Er stelle aber auch fest, dass immer mehr Männer aktiv auf der Suche sind. „Der Zuspruch zu den Männerseminaren nimmt deutlich zu. Ob es nun um Fragen der Gesundheit, der Partnerschaft, der Sexualität, aber auch um spirituelle Themen geht, die Männer kommen.“ Besonders gefragt seien Veranstaltungen zum Thema „Vatersein“ heute. Positiv sieht Hofer auch, dass die Inanspruchnahme von Männerberatungsstellen, aber auch der Telefonseelsorge, deutlich zunimmt.