Feier im Linzer Dom für Oberösterreichs „Blutzeugen des Glaubens“
Ausgabe: 2001/11, Blutzeugen, Blutzeugen des Glaubens, Gruber, Jägerstätter
13.03.2001
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Die Martyrer des 20. Jahrhunderts sind nicht nur Gegen-stand historischer Forschun-gen, sondern Impuls für das Christsein im 21. Jahrhundert.
Im Jänner 2001 stellte Bischof Maximilian Aichern das „Martyrologium des 20. Jahrhunderts“ der Öffentlichkeit vor. Es enthält die Lebensbeschreibungen von 16 oberösterreichischen Männern und einer Frau. Sie waren – bis auf zwei Kapuzinerpatres – Opfer des Nationalsozialismus. Auf die historische Aufarbeitung folgt nun ein zweiter Schritt: ein Gottesdienst im Neuen Dom, der die Glaubenszeugnisse von Oberösterreichs Martyrern in den Mittelpunkt stellt. Bischof Aichern zur Absicht der liturgischen Feier, die das Motto „Christus war ihr Leben“ trägt: „Mögen diese Christen und Christinnen uns Vorbild sein, dass auch wir unseren Glauben mit Mut und Tatkraft bezeugen.“ Die Feier wird im rückwärtigen Teil des Doms mit einer Statio beginnen. Dem Gebet geht eine Bitte um Vergebung voran, weil die Kirche manchen Blutzeugen nicht die Unterstützung gegen die Nationalsozialisten gegeben hat, die aus heutiger Sicht möglich und notwendig gewesen wäre. Nach der Prozession mit dem Evangeliar wird jedes einzelnen Glaubenszeugen gedacht, einige kommen mit ihren Texten, Briefen oder Predigten zu Wort. Dank und Bitte schließen die Gottesdienstfeier ab. Quer durch alle Biografien sind den Martyrern zwei Eigenschaften gemeinsam. Bischofsvikar Wilhelm Vieböck: „Diese Christen vereinen eine tiefe Frömmigkeit mit einem störrischen Element.“ Gerade diese Unbeirrbarkeit zwischen Glaubenszeugnis und Zivilcourage habe für das Christsein heute große Bedeutung. Am Wortgottesdienst im Dom wird voraussichtlich Franziska Jägerstätter teilnehmen. Die Witwe des Kriegsdienstverweigerer Franz Jägerstätter vollendete kürzlich ihr 88. Lebensjahr. Im Mittelpunkt der Forschungen über die Oberösterreichischen Glaubenszeugen steht zur Zeit der Linzer Priester Johannes Gruber, der am Karfreitag 1944 im KZ Gusen den schweren Folterungen erlag. Dr. Helmut Wagner, Assistent für Kirchengeschichte der Theol. Universität Linz, arbeitet zur Zeit an einer historisch-kritisch fundierten Biografie Grubers. Die Recherchen in den Archiven und an die 30 Gespräche mit ehemaligen Schülern Grubers sind abgeschlossen, mit Jahresende könnte das erste umfassende Lebensbild vorliegen. KZ-Häftlinge, die Gruber das Überleben verdanken, regen seit Jahren die Aufnahme eines Seligsprechungsprozesses an.
Gedenken an die Glaubenszeugen des 20. Jahrhunderts. Wortgottesdienst mit Bischof Maximilian Aichern, Freitag, 23. März 2001, um 19 Uhr, Linzer Mariendom.