Das Bildungsministerium ist säumig und lässt damit ausländische Studierende im Ungewissen
Ausgabe: 2001/11, Uni, Pivolic, ÖH, Fasching, Uni Linz, Universtät
13.03.2001
- Ernst Gansinger
Ungeklärt ist, wie die Sache mit den Studiengebühren für Studierende aus Entwicklungsländern geregelt wird. Hochschülerschaft und die kirchliche Kommission für Gerechtigkeit und Frieden „Iustitia et Pax“ drängen auf eine Lösung.
Ein schwarzafrikanischer Student kommt Mitte Februar ins Büro des Auslandsreferates der Österreichischen Hochschülerschaft an der Uni Linz. Er erkundigt sich bei Sabina Pivolic, der Ausländer-Referentin, wie es um die Möglichkeit eines Rückerstattungs-Ansuchens der Studiengebühren bestellt ist. Für ihn hat das eine enorme Bedeutung, denn 20.000,– Schilling pro Jahr zusätzlich zu den Aufenthaltskosten aufzubringen sind eine harte Nuss. Denn ausländische Studenten aus Nicht-EU-Ländern sollen doppelt so viel wie Österreicher und EU-Bürger berappen, wenn im Herbst 2001 die „Studiensteuer“ kommt. Es sei denn, sie kommen aus Ländern, denen ein Sonder-Status zuerkannt wird. Sabina Pivolic muss den Studenten aus Afrika vertrösten: Die Liste, die hier Klarheit schaffen könnte, gibt es noch nicht. Mittlerweile ist ein Monat vergangen. Noch immer hat das Ministerium keine Liste veröffentlicht. Die Studentinnen und Studenten aus Nicht-EU-Ländern sind im Ungewissen gelassen. Es gibt allerdings ein paar Befreiungsgründe. So sind Studierende aus folgenden Ländern von einer Studiengebühr ausgenommen: Albanien, Bulgarien, Estland, Litauen, Moldawien, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Türkei, Ungarn und Weißrussland. Gleiches gilt für Konventions- Flüchtlinge und Austausch-Studenten.
Entwicklungszusammenarbeit sieht anders aus
Der Vorsitzende von „Iustitia et Pax“, Weihbischof Heinrich Fasching, fordert eine generelle Befreiung für Studenten aus Entwicklungsländern. Das betrifft in Österreich etwa 4.000 Studentinnen und Studenten. Außerdem sollten entwicklungspolitisch relevante Studienrichtungen vorrangig gefördert werden.
1.400 Studierendeaus dem Ausland
In Linz studieren etwa 19.000 vorwiegend junge Menschen. 1.500 von ihnen kommen aus dem Ausland, zwei Drittel davon aus Ländern, die nicht zur EU gehören. Sie haben es schwerer. So erhalten sie nur für ein Jahr eine Aufenthaltsbewilligung, die sie dann verlängern lassen müssen. Dazu müssen sie aber nachweisen, S 70.000,– auf dem Konto zu haben. Wer ein Studenten-Visum hat, darf allerdings nicht arbeiten in Österreich, nur studieren. Schon der Weg davor ist ein mühsamer, um für ein Studium an einer österreichischen Uni zugelassen zu werden: Studenten aus Nicht-EU-Ländern müssen nachweisen, dass sie in ihrem Heimatland studieren können. Sie müssen Deutsch können bzw. eine Ergänzungsprüfung ablegen.
Gute Nachrichten
Es gibt auch gute Nachrichten aus dem Bereich Uni und Ausländer: Ausländerfeindlichkeit spielt keine Rolle. Das Uni-Personal, lobt Sabina Pivolic, ist sehr tolerant. Bei den Studentenwahlen haben ausländische Studierende zumindest das aktive Wahlrecht.
Veranstaltung
Diskussion
Am 20. März, 19 Uhr, lädt die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) zur Podiumsdiskussion über die Lage der ausländischen Studierenden aus Nicht-EU-Ländern in die Repräsentationsräume der Uni. Es diskutieren: Rektor Ardelt, Claude Haddad, Aus-landsreferent der Bundes-ÖH, Herr Simunovic vom Verein zur Betreuung der Ausländer, Wels, und LAbg. Gunther Trübswasser, Grüne.