Fasten? Fasten ist in. Vor allem junge Frauen beherrschen das Fasten. Viele wollen einem Schönheitsideal entsprechen, das krank macht, manche sogar tötet. Schlank, dünn um jeden Preis. Kein Gramm zu viel und deswegen Verzicht auf alles, was dick machen könnte. Fasten im Extrem ist Ausdruck der Perversion einer Gesellschaft, die von allem zu viel hat, die Maßlosigkeit in großen Bereichen auf ihre Fahnen geschrieben hat. Fasten hat seinen Wert nicht in sich. Fastenzeit ist Vorbereitung auf Ostern. Zeit, um uns unserer Maßlosigkeiten bewusst zu werden, sie abzulegen und Befreiung zu entdecken. Die größte Gefahr, in der ich mich befinde, ist Maßlosigkeit im Arbeiten. Ich liebe meine Arbeit und ich habe eigentlich immer zu viel davon. Aber das stört mich normalerweise nicht. Ich bin schnell, kann viel bewältigen und ich habe gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Doch ich weiß: Auch zu viel Arbeit kann krank machen und töten. Arbeit ist so wenig ein Wert an sich, wie es das Fasten ist. Das ist für mich eine ganz wichtige Erkenntnis. Ich hoffe, dass 40 Tage reichen, um diese Erkenntnis dauerhaft in meinem Kopf und in meinem Herzen zu verankern.
Mag. Luise Müller,Superintendentin der evangelische Kirche von Salzburg und Tirol.