Ausgabe: 2001/12, Solidaritätspreisträger, St. Marienkirchen, Creaktiv,
20.03.2001
- Maria Haunschmidt
Innviertler Chor hilft Kindern
Oh happy day, Lollipop, Kum ba yah – man hört gern zu, wenn die jungen, frischen Stimmen des Chores „Creaktiv“ aus St. Marienkirchen bei Schärding erklingen ...
... hörenswerte Stimmen in einem weiten Sinn: Die jungen Menschen zwischen 5 und 18 Jahren verstehen Musik als verbindende Brücke. In beispielhafter Humanität hilft der Innviertler Kinder- und Jugendchor „Creaktiv“ tatkräftig Gleichaltrigen in Rumänien sowohl in Form von „ersungenem“ Geld als auch mit Sammelaktionen, wobei eine ganze Region dahinter steht. Auch kriegsverletzte Kinder aus Afghanistan profitierten schon vom Engagement des Chores. Für dies alles erhielt der Chor den Solidaritätspreis der Kirchenzeitung. Schwerpunkt ist derzeit die Hilfe für Roma-Familien in Salzig nahe der ukrainischen Grenze, die in strohgedeckten Hütten leben – bei Temperaturen, die ähnlich wie bei uns sind ... und ein Waisenhaus in Girdani. Dessen Leiter weiß oft von einer Woche auf die andere nicht, wo er das Nötigste zum Leben für seine Schützlinge hernehmen soll. Es gibt laufend Kontakte, Hilfe durch Sachspenden und inzwischen auch Jugendaustausch. Organisatorischer Motor hinter den Aktivitäten ist Chor-Vereinsobmann Ernst Ranftl. Es begann unspektakulär vor zehn Jahren. Der Bundesheer-Unteroffizier sagte einem Kollegen spontan Hilfe für kriegsverletzte Kinder zu. Er konnte dafür auch den damals neu gegründeten Kinderchor seines Heimatortes, bei dem seine Tochter Sonja mitsang, begeistern. Das vom Chorleiter Klaus Zajonkowski komponierte Musical „Manus Wald der Tiere“ wurde 1992 ein großer Erfolg.
Gegen den Strom
Ein Meilenstein in der Hilfe für andere war im Jahr 1994 die Aufnahme einer CD und einer MC des Chores „Creaktiv“ mit dem bezeichnenden Titel „Gegen den Strom“ zu Gunsten kriegsverletzter Kinder. Ernst Ranftl hat bisher sieben Transporte in die 1100 km entfernten rumänischen Orte begleitet und teils selber organisiert. Einige der Sängerinnen waren auch schon vor Ort und haben die Not mit eigenen Augen gesehen. „Die hygienischen Bedingungen sind katastrophal“, erzählen Sonja und Babsi. Inzwischen waren auch schon zwei rumänische Jugendliche im Innviertel zu Gast. „Wir haben viele Stofftiere für arme Kinder gesammelt“, erzählen die kleinen Volksschülerinnen Natalie und Melanie in der Probenpause. Sie singen in der „Creaktiv“-Nachwuchsgruppe mit. Kleidung, Schuhe, Schulsachen und Hygieneartikel gehen laufend an das Waisenhaus sowie die Romasiedlung an der ukrainischen Grenze. Diese „entdeckte“ man im Vorbeifahren am Weg zu dem Waisenhaus in Girdani. „Es fehlt an allen Ecken und Enden!“, erzählt Sonja, 17. Besonders Seifen, Zahnpasta, Läuse- und Wurmmittel werden gebraucht. Schwierig ist es immer wieder das Geld für die Transporte aufzutreiben. Die Jugendlichen vom Chor freuen sich, wenn durch das Singen Geld hereinkommt, wie bei einem caritativen Gulaschkanonen-Essen des Bundesheeres in der Fußgängerzone in Wels. „Weil wir gesungen haben, spendeten die Leute doppelt so viel wie am Tag zuvor!“ sind sie stolz. Nicht nur die Musik verbindet, sondern auch der Einsatz für andere. „Der Chor ist für uns wie eine zweite Familie!“, schwärmt die 16-jährige Rieder BORG-Schülerin Vali.
Am 4. Mai kommt ein 70-köpfiger Kinderchor aus Finnland nach St. Marienkirchen. Es gibt ein Gemeinschafts-konzert mit dem Chor „Creaktiv“. Wer den Chor unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende auf das Konto 0004745451 bei der RAIKA St. Marienkirchen (BLZ 34620) tun. Es gibt noch Restposten der CD „Gegen den Strom“ bzw. Musikcassetten. Infos: www.members.aon.at/creaktiv