„Die Sinne ansprechen, belebt die Patienten neu“. Davon ist Felicitas Zehetner, Obfrau des Vereins M.A.S., der sich Alzheimer-Patienten und ihren Angehörigen zuwendet, überzeugt. Das fließt auch in die „Alzheimer-Wochen“ in Bad Ischl ein.
Vor zwei Jahren begann das Alzheimer-Leiden von Herrn Tumeltshamer. Seine Frau Manuela beschaffte sich Informationen, wo immer sie an Material kam: Was ist Alzheimer; was bedeutet die Krankheit, welche Therapien gibt es? Dann sah sie im Help-TV die Kirchenzeitungs-Solidaritätspreisträgerin Felicitas Zehetner. An sie wandte sie sich und erfuhr vom Angebot für Paare – Patienten und ihre Angehörige –, in Bad Ischl einen Therapie- und Förderungsaufenthalt zu buchen. Frau Tumeltshamer wurde darin bestärkt, dass auch sie Entlastung und Entspannung braucht.
Der Verein M.A.S. ist eine Pionier-Organisation für Alzheimer Patienten und ihre Angehörigen. In Bad Ischl hat er mit Tagestherapiestätten begonnen. Diese werden mittlerweile von pro mente geführt. Und in manchen oberösterreichischen Gemeinden entstehen weitere Tagesheimstätten. Dann erarbeitete M.A.S. das Konzept des Therapie- und Förderungsaufenthaltes. Voriges Jahr war der erste Turnus. Heuer gab es im März bereits zwei Turnusse zu je zehn Tagen.
Information ist wichtig
Auch Elisabeth Schreibeis aus Oberndorf an der Melk nahm mit ihrem an Alzheimer erkrankten Mann daran teil. „Hier habe ich viel über die Krankheit erfahren“, erzählt sie. Sie spricht ein Problem an, das verbreitet ist: „Man weiß ja nicht viel; man sieht nur, es ändert sich einiges. Aber warum ...?“ Die Gespräche mit ähnlich Betroffenen, die vielen Förder- und Therapieangebote, das Entlastetsein – einmal bei sehr guter Betreuung für den Angehörigen auch ausspannen zu können –, das alles tut Körper und Seele gut.
Qi Gong und Akupunktur
M.A.S. ist heuer neue Wege gegangen. Ergänzend zu bewährten Leistungen wie Physio-, Ergo- und Musiktherapie sowie Gedächtnistraining wurde auch ein Shaolin-Mönch für Qi-Gong-Übungen engagiert und TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) angeboten. Die Akupunktur-Anwendungen und die Qi-Gong-Übungen waren sehr begehrt. Kein Wunder, schafften sie doch eine entspannte Atmosphäre.Aufrichten durch Zuwendung, so einfach, so verblüffend! 21 Helferinnen – Diplomkrankenschwestern, Altenfachbetreuerinnen, Praktikantinnen und ehrenamtliche Laien – hatten mit Felicitas Zehetner und Edith Span vom Verein M.A.S. dazu beigetragen. Die Freizeit-Angebote waren genauso wichtig wie die Therapie-Einheiten. Etwa das Operetten-Café beim Zauner oder die Fahrt ins Blaue. Und ganz besonders auch der Musikabend, bei dem die Stub’n-Musi Tanzmusik auf Bestellung spielte: „Ich habe nicht geglaubt, dass ich mit meinem Mann noch einmal tanzen werde“, freute sich eine Frau. Selbst der Parkinson-Patient tanzte mit.
Körperübungen bauen auf. Da gab es anfangs Scheu. Aber diese Scheu wurde überwunden. Alzheimer hat etwas mit dem Verlust des Körpergefühls zu tun. Akupunktur hilft, den eigenen Körper wieder zu spüren. Auch Qi Gong baut dazu Brücken. Qi Gong ist – laienhaft erklärt – sanftes chinesisches Körper-Meditieren. Der Shaolin-Mönch, er kam aus Ungarn, zeigte den Patient/innen en und ihren Partnerinnen und Partnern einfache Übungen zum Weiterüben zu Hause.
Alzheimer und Erholung
„Pflegende haben Bedarf nach Erholung“, weiss Sophia Palkoska von der Caritas der Diözese Linz. Sie betreut Selbsthilfegruppen der pflegenden Angehörigen. Gemeinsamer Urlaub für Pflegende und Pflegebedürftige hat einen hohen Wert, denn vielfach trauen sich pflegende Angehörige nicht alleine auf Urlaub fahren. Sie fürchten, dass sich auch eine kurzfristige Trennung auf das Pflegewohl des Menschen, den sie betreuen, schlecht auswirken könnte.
Der Verein M.A.S. (siehe linke Seite) bietet im Sommer (Ende Juli und August) ein besonderes Programm für eine Gruppe – für Alzheimer-Patienten und deren pflegende Angehörige: Es wird in Zusammenarbeit mit dem Ischler Krankenhaus voraussichtlich drei Turnusse geben. Ein Turnus dauert vierzehn Tage.
Wichtige FrüherkennungAlzheimer ist kein Vergessen, sondern ein – „Ich-kann-es-nicht-mehr-Denken“... Früherkennung hat einen hohen Stellenwert. Da wäre auch noch einiges zu verlangsamen. Zur Entlastung der Pflegenden und Förderung der Patienten drängt M.A.S. auf ein weitverbreitetes Netz an Tagestherapiestätten.
M.A.S. Wiesingerstraße 4, 4810 Bad Ischl, Tel. und Fax: 06132/21410.