Ein Holzknecht wanderte 1775 vom Salzkammergut in die Waldkarpaten aus. Seine Nachfahren kamen zurück.
Am 6. Oktober 1775 legen in Gmunden vier „Sieberinnen“ (große Salztransportschiffe) ab. An Bord haben sie dieses Mal kein Salz, sondern 221 Menschen. 114 von ihnen stammen aus Ebensee, 83 aus Bad Ischl, so wie der ledige Holzknecht Mathias Kalsz.
Die Auswanderer kamen nach 34 Tagen in Deutsch-Mokjra an, damals ein aus 16 Ruthenen-Hütten bestehendes Örtchen in 600 Meter Seehöhe in den Waldkarpaten. Die neue Heimat lag im engen Tal der Mokrianka, einer der beiden Quellflüsse der Tereswa. Zwischen der alten und neuen Heimat liegen 1.000 Kilometer Luftlinie.
Die Ankömmlinge sollten die Waldwirtschaft des Theresien-tales nach dem Muster des Kammergutes für die Salzgruben in Slatina, Sugatagh, Rhonaszek und Szigetr errichten. Große Mengen von Grubenholz waren nötig, die Salzkammergütler flößten es die Tereswa hinab.Das Schicksal der Auswanderer kann als bewegt bis stürmisch bezeichnet werden. Fast 100 Jahre war alles wie im Salzkammergut. Ab 1866 (Österreichisch-Ungarischer-Ausgleich) versuchte man, Ungarn aus ihnen zu machen.Dann Rumänen, kurz auch Tschechen, dann wieder Ungarn. Seit 1990 sind die Nachkommen der Auswanderer Ukrainer im Elend.
Hilfe aus Ebensee
Seit 1992 versucht die „Hilfe für Alt-Salzkammergütler“, eine Gruppe Ebenseer, der Not dieser Menschen ein bisschen abzuhelfen. Dabei sind menschliche Kontakte entstanden. Diese führten dazu, dass am 20. März in Königsfeld Franz und Olga Kais (aus Kalsz wurde Kais) ein Fahrzeug bestiegen und die „Rückreise“ in das Salzkammergut antraten. In Ebensee warteten Freunde, eine mit Sachspenden eingerichtete Wohnung, zwei Arbeitsplätze und eine gänzlich andere Welt, in die hineinzufinden viel Verständnis erfordert. Darum bittet die Familie. Die Tochter Viktoria wird nach Semesterschluss, sie studiert Germanistik, nachkommen. Für sie suchen die Helfer/innen einen Lehrplatz im Salzkammergut als Drogistin oder Apothekerhelferin. Die Rückkehr wurde möglich, weil viele halfen: Landeshauptmann (Staatsbürgerschaft), Gemeinde (Wohnung), Landlerhilfe (Transport), „Hilfe für Alt-Salzkammergütler“ (Organisation und Durchführung) und Spender/innen (Einrichtung). Die Familie Kais dankt herzlich.