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Spaß, Spiel und Spannung

Wie Eltern über das Kinderfernsehen denken – und was Kinder wollen
Ausgabe: 2001/16, Kinderfernsehen, Eltern, Kinder,
17.04.2001
- Matthäus Fellinger
Beim Kinderfernsehen gehen die Emotionen hoch – in den Familien und dann, wenn sich Fachleute darüber unterhalten. Die Kirchenzeitung beteiligte sich an einer Meinungserhebung.

„Universum“ sollen sich die Kinder ansehen. Das wünscht sich der Großteil der Eltern, befragt, welche Sendungen sie für ihre Sprösslinge für besonders empfehlenswert halten. Im November und Dezember des Vorjahres hat der ökumenische „Club M“ die Erfahrungen und Erwartungen der Eltern bezüglich Kinderfernsehen testen lassen. Vor allem Kirchenzeitungen druckten den entsprechenden Fragebogen. „Universum“ vor der „Sendung mit der Maus“ und „Biene Maja“ – so wünschen Eltern Kinderprogramme. Und dann kommt Heidi. So hat es zu ihren Zeiten auch ausgesehen.

„Spaß, Spiel und Spannung – und möglichst viel Quiz!“– das erwarten sich hingegen Kinder vom Fernsehen, meinen Mag. Andreas Vana, Redaktionsleiter für Kindersendungen im österreichischen Fernsehen und sein Chef, Jörg Ruminak, einhellig. Nur ja keine Quasiverlängerung der Schule! Nichts mit Sendungen, die „das Denk- und Sprachvermögen“ der Kinder fördert, wie das Eltern gerne hätten. Unterhaltung muss aus Sicht der Kinder auch nicht „lehrreich“ sein. Nicht mehr Lego oder Matador lautet in vielen Kinderzimmern die Frage, sondern RTL, Pro 7 – oder vielleicht doch ORF. Die Konkurrenz unter den Kinderprogramm-Anbietern ist groß – und Gutes ist teuer. Auch der vielfach gehegte Wunsch, doch qualitätsvolle Eigenproduktionen japanischen Zeichentrick- oder Disney-Produktionen vorzuziehen, ist den ORF-Programmgestaltern bewusst. Anerkennung fand beim Expertengespräch in St. Pölten immerhin die Selbstverpflichtung des ORF, mit strengeren als international üblichen Richtlinien auf Gewalt im Fernsehen zu verzichten.

Die größte Konkurrenz sind gar nicht die anderen Kinderprogramm-Anbieter. Taxi Orange war auch unter Kids und Tweens ein Renner. Und die Millionenshow ist zum eigentlichen Hit unter Kindern geworden. Da können sie sich mitbeteiligen, sich selbst testen, wie bei „1, 2 oder 3“, die erfolgreiche österreichisch-schweizerisch-deutsche Koproduktion. Dass es neben Universum auch ein eigenes „Miniversum“ für Kinder gibt, bei der die fleischhungrige Schimpansenhorde nicht gerade ein Affenbaby einer anderen Art erschlägt und verzehrt – wie es am Dienstag der Karwoche nach dem Abendessen bei der Universum-Kongo-Dokumentation gesendet wurde – ist kaum bekannt. Wenn nicht mit Fäusten und Pistolen, sondern auf freier Wildbahn gekämpft wird, heißt das nicht Gewalt – schockiert Kinder aber trotzdem.Mit dem Kinderprogramm müsste man sich als Eltern beschäftigen, statt die Kinder nur vor dem Fernseher „abzuliefern“. Auch das wurde bei der Tagung in St. Pölten betont. Die letztlich Programmverantwortlichen sitzen zu Hause.




Zur Sache:


Die Kinder-Fernseh-Charta

Kinder aus Volksschulen in Niederösterreich haben eine Kinder-Fernseh-Charta erarbeitet. Im Folgenden Ausschnitte daraus:„Wir sind Kinder unserer Zeit. Wir müssen uns hier und heute bewegen und bewähren und wir suchen dabei Hilfe und Unterstützung auch in Medien. Am meisten nutzen wir das Fernsehen, deshalb haben wir dafür die meisten Wünsche.

– Kindersendungen sollen dann ausgestrahlt werden, wenn wir fernsehen können und sie sollen nicht wegen anderer Ereignisse ausfallen.

n Für die Zehn- bis Elfjährigen wünschen wir uns eine eigene tägliche Nachrichtensendung, damit wir Ereignisse, von denen wir über Erwachsene etwas hören, besser verstehen können.

– Kinder als Sprecher/innen und vor allem als Berater/innen von Sendungen sind uns besonders wichtig. Wir könnten so den Verantwortlichen gute Tipps geben.

– In Fernsehprogrammen von Zeitungen und im Teletext steht kaum etwas zu Kindersendungen. Wir wünschen uns mehr Informationen.

– Wir wollen uns beim Fernsehen vor allem unterhalten, aber nicht nur. Wenn es lustig ist und Action gibt, muss es trotzdem nicht gleich brutal zugehen.

– Wir wünschen uns, dass Erwachsene mehr auf uns eingehen und uns Dinge besser erklären“.
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