Ein Brand hat die 20 Monate alte Marigona entstellt. Auf Initiative der Flüchtlingshilfe Steinerkirchen/Fischlham wird das Mädchen nun in Innsbruck behandelt.
Ein österreichischer KFOR-Soldat hat die Lawine der Mitmenschlichkeit losgetreten. Bei einer Patrouille in einem abgelegenen Bergdorf des Kosovo traf er auf die kleine Marigona. Der Anblick des Mädchens ließ ihn nicht mehr los: Diese Brandnarben am Kopf und auf den kleinen Händ-chen. Dabei hatte Marigona Glück im Unglück. Ihr drei Jahre alter Bruder konnte sich nicht mehr aus dem brennenden Wohnhaus retten und starb in den Flammen. Das Unglück geschah vor eineinhalb Jahren.
Der Soldat informierte die KFOR-Abteilung, die mit humanitären Projekten betraut ist. Diese wiederum führten Eva Fischer, Sprecherin der Flüchtlingshilfe Steinerkirchen/Fischlham, zu dem Kind, als sie im Februar 2001 den Kosovo bereiste. Über die „Aktion Bauern helfen Bauern“ wurde die Universitätsklinik Innsbruck gewonnen, die notwendigen Operationen kostenlos durchzuführen. Innen- und Verteidigungsministerium sorgten für die Aufenthaltserlaubnis und den Transport nach Österreich. Ein Soldat brachte schließlich in seiner Freizeit das Kind vom niederösterreichischen Flughafen Langenlebarn nach Steinerkirchen.
Vergangene Woche wurde die kleine Marigona operiert. Fünf Stunden dauerte der Eingriff, bei dem ihr die nach dem Brand zusammengewachsenen Finger wieder getrennt wurden. Die Operation ist zur vollsten Zufriedenheit verlaufen, erklärte Prof. Hildegunde Piza. Die Flüchtlingshilfe Steinerkirchen/Fischlham freut sich, dass Prof. Piza selbst sich um das Mädchen angenommen hat. Die Ärztin gilt als Expertin der plastischen Chirurgie. Sie gehörte zu dem Team, das dem Kärntner Polizisten und Rohrbombenopfer Kelz mit Erfolg „neue“ Hände „geschenkt“ hat. Chirurgische Eingriffe im Gesicht von Marigona können erst zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt werden, so Prof. Piza.
Sobald es der Heilungsprozess zulässt, wird Marigona bei den Benediktinerinnen in Steinerkirchen Aufnahme finden. Auch die Flüchtlingshilfe St. Georgen/Gusen kümmert sich um das Kind. Begleitet wird Marigona von ihrem Vater, der seine Familie so recht und schlecht mit dem Züchten von Hirtenhunden durchbringt. Während der Vater seinen Tochter betreut, versorgt die 33-jährige Mutter die acht Brüder von Marigona.