In Österreich gehören von 100 PKWs gerade 28 Stück den Frauen, den Rest besitzen Männer. 37 % der Frauen haben keine Lenkerberechtigung. Männliche Sichtweisen und Ansprüche prägen die Verkehrspolitik. Ein gänzlich anderes Bild wird auf der heurigen Wallfahrt der Katholischen Frauenbewegung gezeichnet: Hier sind Frauen auf Motorrädern nach Mariazell unterwegs.
Frauenritt auf heißen Eisen nach Mariazell
Eine ungewöhnliche Wallfahrt der Katholischen Frauenbewegung
Am 30. April und 1. Mai findet heuer die erste österreichische Motorradwallfahrt für Frauen statt. Ein Pilotversuch in der Steiermark hat im letzten Jahr voll eingeschlagen.
Die Diözesansekretärin der Katholischen Frauenbewegung (kfb) in der Steiermark, Maria Irnberger, stieß in den eigenen Reihen, aber auch beim Bischof, mit der Idee einer Motorradwallfahrt für Frauen auf viel Skepsis. „Die einen fürchteten, dass das ein Flop wird, weil es doch kaum Motorrad fahrenden Frauen gebe – und wenn, dann gehen die sicher nicht wallfahren; die anderen hatten Angst, dass die Wallfahrt zu einer Gaudi einer wilden Bikertruppe verkommt“, erinnert sich Irnberger. Doch bereits im Vorfeld zeigte sich, dass die Idee auf eine gute Resonanz stieß: „Wir bekamen erstaunlich viele positiv überraschte Rückmeldungen, dass ausgerechnet die kfb so etwas anbietet. Bikerzeitungen haben die Wallfahrt bereitwillig angekündigt, weil es so etwas in Österreich bisher nicht gegeben hat. Damit konnten wir ein Publikum ansprechen, das die Kirche sonst kaum erreicht. Und das war ja eines unserer Anliegen, wie wir über die gewohnten Kanäle der kfb hinaus Frauen interessieren können“, meint Maria Irnberger.
Der Versuch gelang
„Die Wallfahrt selber war ein tolles Erlebnis. Es war nicht nur die schöne Tour nach Mariazell, die es den 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern (Männer sind als Fahrer und Begleiter gerne gesehen) angetan hat“, erinnert sich Irnberger. „Es war die gelungene Mischung, die viele sehr angesprochen hat: das Miteinander- unterwegs-Sein, die verschiedenen Gebetsstationen, der Wallfahrerinnengottesdienst und das gemeiname fröhliche Fest.
Dass die Wallfahrt gleich beim ersten Mal so eingeschlagen hat, führt Maria Irnberger, die selber eine begeisterte Bikerin ist, auf die Kombination „Frauen, Motorrad und Wallfahrt“ zurück. „Es war das unkonventionelle Zugehen von Kirche auf Frauen, das Aufmerksamkeit erregt hat. Eine Rolle spielte auch, dass gerade in der Motorradszene Frauen oft nur Anhängsel sind. Für viele Bikerinnen war es daher besonders reizvoll, dass wir erstmals in Österreich ein derartiges Angebot von Frauen für Frauen organisiert haben. Und schließlich reizte viele die Verbindung einer Motorradtour mit einer Wallfahrt. Wallfahren ist heute wieder gefragter als vor einigen Jahren. Und gerade wir Motorradfahrer/-innen wissen, dass wir relativ gefährdet unterwegs sind, so dass wir den Segen Gottes auf unseren Wegen ganz gut brauchen können. Es ist interessant, wie ernsthaft auch Fahrer/-innen, die mit der Kirche wenig Kontakt haben, beim geistlichen Programm mitgemacht haben“, freut sich Irnberger.
Freude macht ihr auch, dass einige der mitfahrenden Bikerinnen heuer schon fest bei der Vorbereitung der erstmals österreichweit ausgeschriebenen Wallfahrt mitgemacht haben – und dass einige Motorradclubs seither deutlich frauenfreundlicher wurden.
ZUR SACHE
Blick über den Tellerrand
Erstmals organisierte die Katholische Frauenbewegung der Diözese Graz im vergangenen Jahr eine Motorradwallfahrt für Frauen nach Mariazell. Wegen des großen Anklangs wurde die Wallfahrt heuer österreichweit ausgeschrieben. Für die Kfb-Diözesansekretärin, Mag. Maria Irnberger, ist das mehr als ein etwas verrücktes Minderheitenprogramm. „Es ist der Ver- such, über unsere gewohnten Kanäle hinaus, Frauen anzusprechen und einzuladen. Kommt und schaut – kfb und Kirche, das sind keine verstaubten Einrichtungen von gestern, sie haben Euch für Euer Leben etwas anzubieten. Gemeinschaft, Sinn …“Maria Irnberger ist überzeugt, dass kirchliche Organisationen über ihre normale Basisarbeit hinaus auch so etwas wie eine Event-Kultur entwickeln müssen. „Einige Highlights zu organisieren kann kein Ersatz für eine solide, kontinuierliche Frauenarbeit an der Basis sein. Events können konkrete Mitarbeit in den Pfarren und Mitgestalten der Kirche nicht ersetzen, aber sie bieten die Chance, in den vielen nicht mehr kirchlich geprägten Milieus unserer Gesellschaft Interesse zu wecken. Wenn wir keine Angebote machen, kommen wir als Kirche in diese Milieus auch nicht hinein.“ Für eine Event-Kultur brauche man aber auch Leute, die das können – und dafür fehle in der Kirche weitgehend das Verständnis, bedauert Irnberger. Mehr kreative kirchliche Angebote wünscht sie sich etwa im Gesundheits-, Wellness- und Freizeitbereich oder auch in der Jugendarbeit.
Motorradwallfahrt für Frauen nach Mariazell: 30. April bis 1. Mai 2001. Abfahrt: Kremsmünster 8 Uhr; Graz, Salvatorpfarre und Weiz 8,30 Uhr; Wallfahrerinnengottesdienst Mariazell 14 Uhr.