Mit dem Thema „Gott oder Geld“ beschäftigten sich 25 Mitarbeiter/innen der Betriebsseelsorge bei einem Seminar für praxisorientierte Bibelauslegung.
Die Bibelstelle von der Kaisersteuer zeigt, dass Jesus und seine Jünger kein Bargeld bei sich hatten. Grundlage des Lebens war für die Jesusbewegung offenbar die Unterstützung und die Solidarität der Anhänger und Freunde, erklärt Kuno Füssel. Der Theologe befragt die Bibel auch auf die wirtschaftlichen Informationen, die in den Texten enthalten sind.
Bibel gilt für „Pflug- und Computerzeitalter“
„Man kann nicht Gott und dem Mammon dienen“, ist für Füssel ein Schlüsselsatz des Neuen Testaments. Dabei meint Mammon nicht das Geld, das den Tauschverkehr von Waren erleichtert, sondern die riesigen Geldmengen, die zur Zeit Jesu Großgrundbesitzer, die römischen Statthalter und die Hohenpriester angehäuft hatten. Durch hohe Zinsen und Steuerlasten wurden viele Menschen in die Schuldknechtschaft getrieben und hatten kaum das Nötigste zum Überleben. „Ob man mit dem Pflug oder dem Computer arbeitet, die Bibel gibt uns eine klare Richtlinie vor“, so Füssel: „Wer die Vermehrung des Kapitals höher stellt als die Menschenwürde, handelt gegen die Absicht Gottes.“ Was die Bibel für das Leben bedeutet, zeigt sich für Füssel an der Frage der Zinsen und am Aktienhandel: Wenn deutsche Banken bei gravierenden Überziehungen des Girokontos mit ihren Zinsen knapp an die gesetzlich geregelte Wuchergrenze von 17 Prozent gehen, sei das unethisch und ein Widerspruch zur Bibel. Ebenso könne Aktienbesitz unmoralisch sein. Wenn Aktionäre über Computer Geldmengen bewegen, gefährden sie die Volkswirtschaften und haben den Mammon zu ihrem Gott gemacht: „Der Casinokapitalismus ist an die Stelle Gottes getreten.“