Die Revolution in der Fortpflanzungsmedizin verlangt nach Begleitung.
„Niemand darf gegen seinen Willen getestet werden – und niemand soll einen solchen Test verlangen dürfen.“ Dr. Hans Peter Schreiber ist Vorsitzender der Ethikkommission in der Schweiz. Die beiden Schranken will er in den Gesetzen zur Fortpflanzungsmedizin gesichert wissen. Gentechnische Untersuchungen sollten aber erlaubt werden, um Eltern von unnötiger Angst zu befreien und Risikofaktoren rechtzeitig erkennen zu können. Eltern könnten so schon vor einer Schwangerschaft oder vor dem Einpflanzen von im Reagenzglas erzeugtem menschlichem Leben eine Entscheidungshilfe finden.Kommt mit solchen Möglichkeiten das „Wunschkind auf Bestellung?“ – und schaffen künftig nur mehr programmierte Wunderkinder die Hürde des vorgeburtlichen Lebens? Die Schwangerschaftsberatungsstelle „Zoe“ hatte für 30. Mai zur Diskussion darüber geladen. Das Selbstbestimmungsrecht der Frau kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein, meint Birgit Primig-Eisner von der Lebenshilfe Österreichs: Es geht nämlich um mindestens zwei Lebensrechte. Das Lebensrecht möglicherweise behinderter Kinder im Mutterleib könne nicht einfach weggewischt werden. Und die Väter bleiben mehr und mehr ganz aus dem Spiel. Die Schwangerenberatungsstelle „Zoe“ bietet vor allem Beratung. Gerade die modernen Möglichkeiten vorgeburtlicher Untersuchungen lassen den Eltern wenig Zeit zur Entscheidung.Während sich die medizinischen Möglichkeiten rasch weiterentwickeln, hinkt die Frage des Umgangs damit hinterher. Für die meisten Menschen auf der Welt, sagt der Innsbrucker Ethiker Dr. Holger Baumgartner, kommen die neuen Möglichkeiten überhaupt nicht in Betracht. Ein Beispiel führt er an: Seit es möglich ist, das Geschlecht der Kinder im Mutterleib zu bestimmen, kommen in Teilen Indiens und Pakis-tans deutlich weniger Mädchen zur Welt. Auf tausend Buben kämen nur mehr 600 Mädchen. Ein gewaltiges Konfliktpotential bahnt sich an.Überwiegt nun der Segen oder der Fluch in der Fortpflanzungs-Medizin? Die Antwort ist nicht eindeutig. Die Verantwortung ist größer geworden.
Kontakt: Zoe. Beratungen können Sie vereinbaren jeden Dienstag/Donnerstag von 9 bis 11 sowie Mittwoch von 15 bis 17 Uhr unter Tel. 0732/77 83 00.
Lasst uns Menschen machen
Bei der dritten Ökumenischen Sommerakademie vom 11. bis 13. Juli im Stift Kremsmünster besteht die Möglichkeit zur fundierten Auseinandersetzung mit Medizinern und Theologen über moderne Fortpflanzungsmedizin, u. a. mit Prof. Karl Sperling (Berlin), Prof. Matthias Wabl (California-University), Christine Mannthaler (Wien), Ulrich Körtner (Wien), Franz Gruber (Linz), Erhard Schockenhoff (Freiburg) und Günter Altner (Koblenz). Die Bischöfe Klaus Küng und Herwig Sturm sowie Metropolit Michael Staikos diskutieren über Molekularbiologie.
Teilnahmegebühr: S 420,–, Studenten: S 200,–. Anmeldung: Kirchenzeitung, Kapuzinerstraße 84, 4020 Linz. Fax.: 0732/76 10-39 39.