Die Post ist da und kommt verläßlich auch in Zukunft!
Die Politik bläst unstimmige Töne und die Post bläst zur Reform
Ausgabe: 2001/23, Post, Halbmayr, Politik, Posthorn, Nahversorgung, Geschäfte, Stockinger
05.06.2001
- Ernst Gansinger
Kundennähe ist das Markenzeichen der Post. Die Revolution im Bereich der Kommunikation bringt die Post unter Druck. Gerade die Kundennähe in abgelegeneren Gebieten könnte durch die Schließung von Postämtern verloren gehen, sorgen sich manche. Davon sei keine Rede, sagt die Post. Die Zustellung bleibe gesichert. In manchen Orten werden vielleicht Geschäfte Postamts-Dienste übernehmen.
Einen Brief darf in Österreich nur die Post zustellen. Sie muss ihn aber auch zustellen, überall zum gleichen Tarif. Die Post hat sich zudem an eine EU-Richtlinie zu halten: Sie muss eine ausreichende Versorgung von Zugangspunkten zum Postnetz gewährleisten. Was aber ist ausreichend?
Eine „Gefahr für den ländlichen Raum“ wittert die SPÖ Oberösterreich. Sie hat für die nächste Sitzung des oberösterreichischen Landtags am 7. Juni eine Aktuelle Stunde beantragt. „Damit möchten wir die von der Bundesregierung betriebene Ausdünnung der nichtstädtischen Bereiche ansprechen...“ Konkret ginge es, so SPÖ-Klubobmann Dr. Karl Frais, unter anderem darum, dass in Oberösterreich rund die Hälfte der 400 Postämter vom Zusperren bedroht sei. Dies betreffe vor allem die kleineren Post-Dienststellen in ländlichen Gemeinden... Auch Gendarmerieposten, Bezirksgerichte und Außenstellen der Finanzverwaltung sollen zugesperrt werden, so die SPÖ.
Gesicherte Postzustellung
Dieser Meinung hat ÖVP-Klubobmann Dr. Josef Stockinger, was die Post betrifft, schon im heurigen März entgegengehalten: „Nach monatelangen teils auch parteipolitisch motivierten Diskussionen um die Zukunft von Postzustellung und Postservice liegen nun die Fakten auf dem Tisch.“ Ängste seien in der Bevölkerung recht unverantwortlich geschürt worden. Der Postvorstand habe Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer die direkte Hauszustellung auch in Zukunft täglich (wochentags) zugesichert.
Nahversorgung zu sichern, ist Aufgabe der Politik
Der Postvorstand ist ein vierköpfiges Team, in dem der gebürtige Oberösterreicher, Mag. Josef Halbmayr als Vorstandsdirektor für das Filialnetz, Marketing und Vertrieb zuständig ist. Mit ihm haben wir vor dem aufgezeigten Hintergrund ein Gespräch geführt. Die Sicherstellung der Versorgung ist wohl eine politische Aufgabe, sagt Halbmayr. Die Nahversorgung mit Dienstleistungen kostet Geld. Wenn ein Unternehmen wie die Post AG, das zu wirtschaftlicher Führung verpflichtet ist, einen Teil dieser Nahversorgung leisten soll, muss die Politik dies ermöglichen, also Geld zuschießen.
Die Post muss wirtschaften
Einerseits wächst die Post-Konkurrenz, andererseits muss die Post, um wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben, die Kostenstruktur verändern. „Beim Handel wird zugestanden, dass es sich rechnen muss. Bei der Post sollte das nicht anders sein“, gibt Vorstandsdirektor Mag. Josef Halbmayr zu bedenken.Ob und welche Postämter letztlich zugesperrt werden, darüber zu spekulieren, bringe nichts außer unnötiger Angst. Die Hälfte der 400 oö. Postämter, die die SPÖ bedroht sieht, stimme gewiss nicht. Gesichert sei außerdem auch in Zukunft, dass der/die Zusteller/in kommt, ob es in der Gemeinde ein Postamt gibt oder nicht. Würde ein Postamt geschlossen, gibt es andere Nahversorger vor Ort (Kaufhäuser, Trafiken,...), die die Dienstleistungen übernehmen können. Dies wird derzeit in zwei steiermärkischen Gemeinden erprobt. Deutschland hat damit schon gute Erfahrungen gemacht. Auch der steiermärkische Versuch zeigt, dass es für beide Partner – Post und örtliches Geschäft eine gute Partnerschaft ist. Die Wirtschaftskammer steht voll hinter dem Modell der Post-Partnerschaft! Weitere Versuche werden in allen Bundesländern folgen.
„Die Post wird immer bestehen und ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen sein, auf das die Österreicher stolz sind, weil es österreichisch ist“, ist Halbmayr für die Zukunft optimistisch.