Die Begegnungen Jesu im Haus des Simon, wo er zu Gast ist, haben etwas menschlich sehr Nahegehendes, und sie zeigen, in welchem Spannungsverhältnis Jesus sich bewegt: Der angesehene, korrekte Simon interessiert sich für Jesus genauso wie die gesellschaftlich ausgegrenzte namenlose Sünderin. Für beide will Jesus da sein, und beide bedürfen der Umkehr: die eine von ihrem sündhaften Verhalten, der andere – Simon – von seinem urteilenden und ausgrenzenden Denken, mit dem er gegenüber anderen Menschen Mauern und Stacheldrähte aufrichtet.
Mit wem tut sich Jesus wohl schwerer? – Mit Simon, ja natürlich! Die Sünderin hat bereits verstanden. Sie zeigt ihre Reue und ihre Liebe zu Jesus, und ihre Sünden werden vergeben. Simon dagegen muss erst noch überzeugt werden, dass die Ausgrenzung anderer als Sünder nicht im Sinne Gottes ist.
Jesus versucht es mit dem Vergleich von den zwei Schuldnern, denen ihre Schulden erlassen werden. Wem mehr erlassen wird, der liebt den Gläubiger – und in der Folge wohl ebenso andere Menschen – mehr. Eindrücklich schildert Jesus dem Simon auch das Verhalten der Sünderin, die unaufhörlich ihre Sympathie und Liebe zu Jesus zeigt – mit berührenden Gesten. Damit soll der Zusammenhang von Vergebung und Liebe klar werden: Wem Vergebung gewährt wird, der ist zu größerer Liebe fähig. Wer liebt, dem kann ein Fehlverhalten leichter verziehen werden. Vergebung und Liebe bestärken und unterstützen einander gegenseitig.
Für Simon braucht es also ein eindringliches Zureden Jesu, bis er die Einstellung Jesu zu Sünde und Vergebung versteht. Zur Frau hingegen braucht Jesus nicht viel zu sagen, nur drei ganz kurze Sätze: Deine Sünden sind dir vergeben. Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!
In diesem Evangelium klingt Jesu Botschaft an, dass wir von Gott nicht an dem gemessen werden, was wir falsch gemacht haben, sondern an der Liebe, die wir geschenkt, und an dem, was wir nicht getan, was wir zu tun versäumt haben. Es kommt nicht auf das Studium der großen theologischen Lehren und Moralvorschriften an, sondern auf die kleinen, konkreten Taten der Liebe. Die Frau im Evangelium hat das begriffen.Simon, ich möchte dir etwas sagen“, so freundschaftlich nimmt Jesus seinen „mauernden“ Gastgeber beiseite. Die Frau hat viel Liebe gezeigt, deshalb sind ihre vielen Sünden vergeben. Gelebte Liebe verändert die Welt. Liebe ist das, was die Menschen brauchen. – Simon, hast du verstanden?