Nicht traditionelle Heilige wie der Feuerwehrpatron Florian, sondern Christen, die gegen das NS-Regime Widerstand geleistet haben, zieren ein jüngst aufgestelltes Marterl.
Ein Zufall und Papst Johannes Paul II. gaben den Anstoß, das in Oberösterreich einzigartige Denkmal zu setzen: Der Steinmetz Stefan Stumptner stellte seinem Schwager Konrad Waldhör, Pfarrer in Steinerkirchen, eine selbst angefertigte Granitsäule zur Verfügung. Der Pfarrer suchte nach einer würdigen Verwendung und stieß auf die Bitte des Papstes, die Martyrer des 20. Jahrhunderts nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. So wurde die Idee geboren, oberösterreichischen Glaubenszeugen vor dem neu erbauten Pfarrheim Steinerkirchen in Denkmal zu setzen.
Für Pfarrer Waldhör war es selbstverständlich, dass eines der vier Porträts seinen Amtsvorgänger zeigen muss: Heinrich Steiner war von 1933 bis 1989 Pfarrer des Ortes, sechs Jahre davon verbrachte er im KZ Dachau. Als besondere Charaktereigenschaft wird seine – menschlich beinahe unvorstellbare – Versöhnungsbereitschaft hervorgehoben: Er hat aus seinem Leiden nie Kapital geschlagen, vielmehr war er nach den Jahren im KZ ein Geschlagener. Er hat aber keinem, der ihn geschlagen hatte, die Hand zur Versöhnung verweigert, heißt es im Pfarrblatt, in dem die „Heinrich-Steiner-Gedächtnissäule“ beschrieben wird. Das Granitmarterl ist so aufgestellt, dass es den Eindruck erweckt, als würde Pfarrer Steiner alle grüßen, die auf den beiden Durchzugsstraßen in den Ort kommen, so sein Nachfolger Waldhör.
Als Inbegriff der Gewissenstreue bezeichnet der langjährige Militärpfarrer Waldhör den Bauern und Mesner Franz Jägerstätter: „Seine Fähigkeit auf das Wort Gottes zu hören und es zu tun, ist einzigartig.“ Darum findet sich auch ein Jägerstätter-Porträt auf dem Denkmal. Die weiteren Bilder zeigen Franz Heger und Camilla Estermann. Beide wurden zum Tod verurteilt, weil sie die „Weissagungen der heiligen Ottilie“ verbreiteten, eine Schrift, die vom NS-Regime als wehrkraftzersetzend bezeichnet wurde. Heger, nach seiner Pensionierung als Bezirksgendarmeriekommandant von Ried im Innkreis als Bauernbundsekretär unermüdlich für seine Mitmenschen im Einsatz, war bei seiner Hinrichtung bereits 75 Jahre alt. Die Porträts wurden von der Hinterglasmalerin Elisabeth Traxl aus Grünbach bei Freistadt gemalt. Josef Wallner