Bäuerinnen aus Ecuador begegneten Bäuerinnen aus Oberösterreich
Ausgabe: 2001/43, Sombreros, Ecuador, Gattringer
24.10.2001
- Maria Haunschmidt
Die Kleinbäuerin Mariana aus Ecuador ist erstaunt, dass ihre Mühlviertler Berufskollegin Christine Gattringer nur fünf Kühe im Stall hat.
Bisher glaubte sie, alle Weißen besitzen riesige Haziendas mit hunderten Stück Vieh. Mariana ist eine von zehn Südamerikanerinnen, sechs Bäuerinnen und vier Angestellten von Organisationen, die im Rahmen des Projekts „Frauenbegegnungen im ländlichem Raum“ auch ins Mühlviertel kamen, wo sie besonders herzlich aufgenommen wurden.
Vieles war neu
Die Bergbauernvereinigung, die KFB St. Pölten und die Südwind-Agentur hatten zu der Begegnungsreise eingeladen. Über manches hat sich Mariana bei uns gewundert, z. B. über die großen Häuser mit Geschirrspüler in der Küche und dass Europäerinnen nicht hochnäsig sind, sondern recht nett sein können. Dass es auch spezielle Milchschafe gibt, war ihr ebenfalls neu. Da ließ sie sogar einmal den Frühstückstee ausfallen, um die von ihr gemolkene Milch zu kosten. Die im Anden-Hochland lebende fünffache Mutter besitzt daheim eine Kuh und eine Ziege. Mit bunten Stickarbeiten und Wollwaren verdient sie Geld dazu. Auch auf der Reise nützte sie jede freie Minute zum Sticken. Vor einem Jahr lernten österreichische Bergbäuerinnen das Leben der Frauen in Ecuador kennen, so auch Christine Gattringer aus Oberneukirchen. Als ehemalige Entwicklungshelferin stellte sie fest, dass durch wachsende Monokulturen, wie Bananen, Rosen, Garnelen und Ölpalmen, den Kleinbauern in Ecuador immer mehr die Lebensgrundlagen entzogen werden – Schattenseiten der Globalisierung. Da wurde ihr wieder einmal schmerzlich bewusst: „Die Vielfalt in unseren Supermärkten hat eine Kehrseite.“
Männer im Haushalt
Im Zuge der Reise durch fast alle österreichischen Bundesländer fand ein reger Austausch über ländliche Strukturen und das Leben der Frauen hier wie dort statt. „Trotz größerem Luxus bei uns sind viele Probleme und Arbeitsweisen ähnlich!“, fanden die Frauen. Es wurden Kontakte für Direktimporte und für sanften Tourismus in Ecuador angebahnt.Was sich Mariana und ihre Kolleginnen mit heimnehmen in das verhältnismäßig kleine Andenland? Die Stärke und das Selbstbewusstsein der österreichischen Bäuerinnen und viele Anregungen, z. B. will Mariana Lesen und Schreiben lernen und sich einen Hausgarten wie bei uns üblich anlegen – es wurden auch gleich Samen „exportiert“. Mit nahmen sie auch das große Staunen darüber, dass es bei uns Männer gibt, die im Haushalt mithelfen.
Nähere Infos, auch über Bestellung des Kunsthandwerks der Bäuerinnen aus Ecuador: Österr. Bergbauernvereinigung, Tel. 02782/82237.