„Berührt, aber ratlos“. So analysierte der Trauner Pfarrer Mag. Franz Wild den Konflikt um die Moschee. Der Solidaritätspreisträger 2001 sucht unermüdlich das Gespräch mit den muslimischen Mitbürgern.
Die Stadt Traun ist im vergangenen Jahr zum Symbol dafür geworden, wie leicht Ängste und Verdächtigungen das Zusammenleben zwischen muslimischen und nicht-muslimischen Bürgern stören können. Freitagsgebete auf der Straße, hasserfüllte Diskussionen – die Gefahr war groß, dass die Lage eskalierte. In dieser Situation war Pfarrer Franz Wild eine Stimme der Vernunft. Als Schritt zur Entspannung bot er der muslimischen Gemeinde an, den Pfarrsaal vorübergehend als Gebetsraum zu benutzen.
Wenn der Moschee-Streit zur Zeit auch aus den Schlagzeilen ist, – die Lage hat sich keineswegs geklärt. Die Muslime beten eng zusammengedrängt in dem verbliebenen Teil des Vereinslokals und müssen – wegen Auslaufen des Mietvertrags – zu Jahresende ausziehen.Pfarrer Wild ist Realist: „Von selbst werden sich die Konfliktpunkte nicht lösen, vor allem nicht die Ängste. Wir müssen deshalb bewusst die Begegnung suchen.“ Ein erster Schritt war die Gründung der Initiative „Aufeinander Zugehen Traun“, zu dessen Gründungsmitgliedern Pfarrer Wild gehört. Die Auftaktveranstaltung mit Prof. Anas Schakfeh, dem obersten Repräsentanten der Muslime in Österreichs, war hervorragend besucht.
Wenn Wild als Theologe sich die gemeinsamen Wurzeln zwischen Christentum und Islam vor Augen führt, wird er sehr nachdenklich: „Es gibt soviel Gemeinsames zwischen den beiden Religionen, das uns in den konkreten Auseinandersetzungen Hilfe sein könnte und das Trennendes zurücktreten lassen müsste. Offensichtlich haben da beide Seiten etwas nicht kapiert“.
HINTERGRUND
Christsein in der Türkei
Im Juni 2001 referierte der Präsident der Islamischen Gemeinde Österreich, Prof. Anas Schakfeh, über das Leben als Muslim in einem christlichen Land. Am 13. Nov. folgt nun ein Vortrag, der die Lage aus umgekehrter Perspektive beleuchtet: Die Gemeindeleiterin der Österr. St. Georgs Gemeinde in Istanbul, Mag. Elisabeth Dörler, spricht über „Christ sein in der Türkei“ –(19 Uhr, Volksheim Traun).
Fokolar-Bewegung
Die von Chiara Lubich gegründete Fokolar-Bewegung setzt sich seit langem für den interreligiösen Dialog ein. So war es ein besonderer Zufall, dass der Politiker und das Fokolar-Mitglied Dr. Karl Pree im Zuge von Problemen in der Linzer Neustadt mit dem Muslim Zekeriya Eser zusammentraf. Aus der Begegnung wurde ein intensiver religiöser Austausch.