Eine tönende „Grabtafel“ für seine Frau Maria Barbara Bach hat Johann Sebastian „heimlich“ komponiert.
„Nicht alles wird so gespielt, wie es in den Noten steht.“ – Das gilt im Jazz genauso wie für Barockmusik.
J. S. Bachs Zahlenspiele in seinen geistlichen Werken lassen sich erst auf den zweiten Blick erkennen. Versteckt war darin eine ganze Theologie, die Kundige aus seinen Noten herauslesen konnten.
Diese Rätselspiele finden sich auch in den reinen Instrumentalwerken. Das bewies in jahrelanger Forschungsarbeit die Düsseldorfer Profes-sorin Helga Thoene. Ihre Deutung der
Ciaconna aus der Partita d-Moll BWV 1004 als „klingender Epitaph“ für Maria Barbara Bach stützt sich auf verborgene Choralzitate. Vom ersten bis zum letzten Takt lässt sich in den Unter- und Mittelstimmen „Christ lag in Todesbanden“ erkennen.
Der Geiger Christoph Poppen hat mit den Vokalsolisten des weltberühmten Hilliard Ensembles ein ungewöhnliches Projekt verwirklicht. Die Singstimmen intonieren parallel zum Soloinstrument die einzelnen Liedzeilen. Die kunstvolle Verschränkung von Violinpart und Choralstimmen wird dadurch hörbar.
Was mit Worten schwer fass-bar, erschließt sich beim Hören der CD von selbst.
„Morimur“ ist eine CD-Produktion, die viele Vorzüge zu bieten hat: ein erstklassiges Ensemble mit einer ungewöhnlichen Interpretation Bach’scher Werke, passend zu Novembernebel, Kerzenschein, Stille.
Morimur. Christoph Poppen, The Hilliard Ensemble. J. S. Bach. ECM 1765.