In Europa gibt es das häufig: Pfarrhöfe ohne Pfarrer. Der ehemalige Marchtrenker Kaplan Hans Humer erlebt in Tansania gerade das Gegenteil: Er ist zwar Pfarrer, hat aber keinen Pfarrhof./b>
Seit zwei Jahren arbeitet der oberösterreichische Priester Hans Humer in der tansanischen Diözese Rulenge – 1.700 Kilometer von der Hauptstadt Dar es Saalam entfernt. Wie gut sich Humer in Afrika eingelebt hat, zeigte ein großes Fest am 19. Juli 2001: Der Bischof ernannte ihn zum Pfarrer von Kayanga.
Katechisten sind Rückgrat
Für die rund 4.000 Katholiken der Gemeinde war die Pfarr-Erhebung im Beisein des päpstlichen Nuntius der vorläufige Höhepunkt eines langen Einsatzes. Mit eigenen Mitteln bauten sie 1986 eine Kirche, nach und nach konnten sie auch Einrichtungsgegenstände anschaffen und Mitte der neunziger Jahre reichte das Geld sogar für Sitzbänke. Von 1962 an bis heute bilden Katechisten das Rückgrat der christlichen Gemeinde. Ein kräftiges Lebenszeichen gaben die Jugendlichen der neuen Pfarre: Beim diözesanen Wettbewerb der Jugendgruppen in Chorgesang, Tanzen, Trommeln und Literatur holte sich die Gruppe aus Kayanga mit ihrer Singgemeinschaft den ersten Platz.Die Pfarre Kayanga lebt, die Gruppen haben aber keine Räume, um sich zu treffen, der neue Pfarrer kein Dach über dem Kopf. Er wohnt weiterhin im acht Kilometer entfernte Bugene, wo er bisher Kaplan war.
An der Pfarre mitbauen
Die 19 kleinen christlichen Gemeinschaften der Pfarre haben schon vor Monaten mit dem Bau eines Pfarrzentrums begonnen. Jede Gruppe hat sich verpflichtet, jeweils eine Woche lang zu arbeiten, jeden Sonntag wird beim Gottesdienst gesammelt. „Um den Bau vollenden zu können, braucht es noch viele Anstrengungen“, meint Pfarrer Humer und hofft auch auf Unterstützung aus Oberösterreich. Die Diozese Rulenge – im Nordosten des Landes gelegen – zählt zu den ärmsten Regionen Tansanias. Verschärft wird die Situation durch rund 300.000 Flüchtlinge aus Burundi und Ruanda. Die Situation sei unsicher, erst vor wenigen Monaten wurde ein junger Priester der Diözese überfallen, beraubt und auf grauenhafte Weise ermordet, erzählt Pfarrer Humer. Auch wenn seine Pfarre 220 Kilometer vom Grenzgebiet entfernt ist, sind abends keine Versammlungen der pfarrlichen Gruppen möglich.Nach den Terrorattacken in den USA geriet auch die große muslimische Gemeinde in der tansanischen Hauptstadt in den Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit. Es wurde von einer spürbaren Radikalisierung berichtet. Davon merkt Pfarrer Humer in der Diözese weitab der Metropole nichts. Mehr als die Hälfte der Bewohner im Diözesangebiet von Rulenge sind Katholiken, die evangelische Kirche ist ebenfalls fest im Volk verankert, als Muslime bekennen sich rund 20 Prozent.
„Gutes Nebeneinander“ mit Muslimen
Bei jeder öffentlichen Veranstaltung sind Vertreter dieser drei Religionsgemeinschaften eingeladen, jeder spricht jeweils ein kurzes Gebet, erzählt Pfarrer Humer: „Es gibt gelegentlich gegenseitige Einladungen, alles in allem leben wir aber in unserem Gebiet ein gutes Nebeneinander“.Einen sehr persönlichen Einblick in sein Leben und seine Arbeit gibt Pfarrer Hans Humer in seinem Jahresbericht 2000/1.
Bestellungen der Broschüre und Erlagscheine: Fam. Humer, Oberleiten 3, 4730 Heiligenberg bei Waizenkirchen, Tel. 07277/34 45.