Dr. László Vencser über die fremdsprachigen Pfarrgemeinderäte
Ausgabe: 2001/48, Vencser, Caritas, PGR,
27.11.2001
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Erst 1997 errichtet, haben die Pfarrgemeinderäte (PGR) der fremdsprachigen Gemeinden Oberösterreichs eine erstaunliche Dynamik entwickelt. Dr. László Vencser, Fremdsprachigen-Seelsorger, erklärt die Besonderheiten dieser PGR.
Warum kam es in den fremdsprachigen Gemeinden zur Gründung von Pfarrgemeinderäten?Vencser: Die Mitglieder unserer Gemeinden sind über ganz Oberösterreich verstreut, sie leben in einer ausgesprochenen Minderheitensituation – sind also mit einer konventionellen Pfarre kaum zu vergleichen. Die fremdsprachigen Gemeinden sind aber sehr offen für das Positive, das sie bei den einheimischen Pfarren sehen. Und dazu gehören auch die Pfarrgemeinderäte.
Wie können PGR arbeiten, deren Pfarrgebiet das gesamte Bundesland umfasst?Vencser: Sie treffen sich drei bis vier mal im Jahr zu Sitzungen und damit vielleicht nicht so häufig wie die einheimischen PGR. Generell haben sie aber keine besondere Arbeitsweise: So hat die kroatische Gemeinde unter anderem Fachausschüsse für die Caritas und die Jugend. Ein wichtiges Aufgabenfeld aller fremdsprachigen PGR ist die Solidarität mit den Herkunftsländern.
Was zeichnet die PGR der fremdsprachigen Gemeinden aus?Vencser: Auffallend ist die Freude – die Freude über die Möglichkeit, das Gemeindeleben mitgestalten zu können. So ist man zum Beispiel in der kroatischen Gemeinde sehr glücklich, dass auf Anregung des PGR gemeinsam mit dem Seelsorger Kommunionhelfer eingeführt wurden. Inzwischen versehen schon acht Kommunionhelfer ihren Dienst.
Was könnten einheimische PGR von den fremdsprachigen lernen?Vencser: Nicht zu jammern. Wenn zufällig ein Projekt einmal nicht so funktioniert, wie man sich das vorgestellt hat, verfallen die fremdsprachigen PGR nicht gleich ins Lamentieren. Das ist kein Eigenlob, sondern eine Beobachtung, die Mitglieder von traditionellen Pfarren an uns machen und die sie immer wieder erstaunt und bewundernd zur Sprache bringen.
Haben Sie Probleme Kandidaten für die PGR- Wahlen im Frühjahr 2002 zu finden?Vencser: Nein, eigentlich nicht. Es gibt viele Menschen, die gerne in den Pfarren mitarbeiten.
HINTERGRUND
Fremdsprachige Pfarren in OÖ
In Oberösterreich gibt es Gottesdienste für zehn fremdsprachige Volksgruppen. Fünf Pfarren haben einen eigenen Pfarrgemeinderat: die kroatische Gemeinde (circa 10.000 Gläubige), die polnische Gemeinde (circa 2.500 Gläubige), die tschechische und slowakische Gemeinde (insgesamt rund 2.000 Gläubige), die Ungarn (circa 3.500) und die Slowenen (rund 400).